Raupen von Schmetterlingen

Ein Blick in die Welt der wählerischen Vielfresser

Raupen des C-Falters

Sie sind mit Abstand die beliebtesten Insekten: zarte, gemusterte, bunte oder auch völlig unscheinbar gefärbte Schmetterlinge. In Deutschland gibt es etwa 3.700 Schmetterlingsarten. Die meisten davon fallen uns Menschen gar nicht auf, denn sie sind vor allem in der Dämmerung und nachts unterwegs. Nachtfalter machen etwa 80 Prozent der deutschen Schmetterlingsarten aus.

Hamburg, 26. September 2018

Ohne Raupe kein Schmetterling

So schön Schmetterlinge auch sind - ihre Raupen sind bei uns Menschen manchmal nicht so beliebt! Fast immer gelten sie als nimmersatte Pflanzenschädlinge. Dennoch lohnt sich ein Blick in ihre Welt: Denn so verschieden die unterschiedlichen Falter aussehen, so unterschiedlich sind auch ihre Raupen: Von grün über braun bis bunt gemustert, von vollkommen glatt bis behaart – alles ist dabei.

Das Wunder der Metamorphose: Erst aus einer Raupe kann ein Schmetterling entstehen

Eine Besonderheit haben alle Schmetterlingsarten gemeinsam: Bevor wir Menschen sie als Falter bewundern können, durchleben Schmetterlinge unterschiedliche Verwandlungsphasen, jede mit einer ganz eigenen Lebensweise. Die einzelnen Stadien dieser Metamorphose nennen Biologen Ei, Raupe, Puppe und Schmetterling. Die Dauer der Verwandlung unterscheidet sich von Art zu Art. Bemerkenswert: Schon als Raupe besitzen viele Schmetterlingsarten eine höchst spezielle Lebensweise.

Poly- oder oligolektisch?

Raupen, die eine Vielzahl verschiedener Futterpflanzen annehmen, bezeichnet man als polylektisch. Fällt die eine Futterpflanze aus, fressen sie einfach eine andere. Beispiel: Die Raupe des Buchen-Streckfuß ist nicht sehr wählerisch und frisst an vielen Pflanzen. Andere Arten, die auf eine bestimmte Futterpflanze (oder Futterpflanzen derselben Gattung) spezialisiert sind, werden als oligolektisch bezeichnet. Diese Spezialisierung kann ein Todesurteil sein: Fällt ihre Futterpflanze weg, kann sich die Schmetterlingsart nicht mehr fortpflanzen und stirbt aus.
Zu den oligolektischen Arten gehört das Tagpfauenauge, deren Raupe sich ausschließlich von Brennnesseln ernährt. Da die Brennnessel stark stickstoffzehrend ist, kommt sie bestens mit dem allgemeinen Trend der Überdüngung von Grünflächen zurecht. Glück für das Tagpfauenauge! Weitaus weniger Glück haben die Schmetterlingsarten, deren Futterpflanzen unter der aktuellen intensiven Landnutzung leiden. Viele Schmetterlinge kommen nur auf extensiv gepflegten Magerwiesen vor. Diese spezielle Form einer Wiese, die nur ein bis zweimal im Jahr gemäht und kaum bis gar nicht gedüngt wird, ist in Deutschland kaum noch zu finden. Ihre Bewirtschaftung lohnt sich nicht, dadurch schwindet die Artenvielfalt.

Welche Raupe ist das?

Diese Raupen lohnen einen zweiten Blick – einige sind sogar noch bis in den Oktober hinein unterwegs. Sieben Raupen und ihre Lebensweisen.

Raupe des Buchen-Streckfuß

Raupe des Buchen-Streckfuß

Raupe des Buchen-Streckfuß (Calliteara pudibunda) – sein Schmuck sind die Haarpinsel
Zu den auffällig gefärbten Raupen, die einem jetzt im Herbst noch über den Weg kriechen können, gehört der Buchen-Streckfuß. Die Raupen dieses Nachtfalters sind etwa fünf Zentimeter lang, es gibt sie in zwei Farbvariationen: rot und gelb-grün. Sie sind stark behaart und haben zusätzlich vier auffällige Haarpinsel auf dem Rücken. Auf ihrem letzten Segment tragen sie außerdem einen langen, auffallend rot gefärbten Haarpinsel, der wie die aufgerichtete Rute eines Hundes anmutet. Rollt die Raupe sich zusammen, werden die samtig schwarzen Zwischenräume zwischen den Segmenten sichtbar. Bei den Haaren handelt es sich übrigens nicht um die sogenannten Brennhaare (findet man bei Goldafter oder Eichenspinner), die Juckreiz oder andere Hautreizungen beim Menschen auslösen können. Sie können die Raupe darum gefahrlos und sehr behutsam in die Hand nehmen, um sie aus nächster Nähe zu bestaunen. Dann wieder vorsichtig in die Natur setzen. Die Raupen des Buchen-Streckfußes fressen an verschiedenen Laubgehölzen wie Buchen, Hainbuchen, Eichen, aber auch Haseln, Apfelbäumen und Ebereschen. Ende Oktober verpuppen sie sich am Boden im Laub. Die Falter schlüpfen im kommenden Frühjahr.

Raupen von Bläulingen

Raupe des Argus-Bläulings

Raupe des Argus-Bläuling (Phengaris rebeli) – bei ihr kommt’s nicht nur auf die Futterpflanze an
Manche Schmetterlingsarten sind nicht nur von der richtigen Futterpflanze für ihre Raupen abhängig. Die sogenannten myrmekophilen Arten (altgr.: myrmeko = Ameise; philia = Freundschaft) sind auf das Vorhandensein einer bestimmten Ameisenart angewiesen. So z. B. der Kreuzenzian-Ameisenbläuling (Phengaris rebeli). Seine Raupen fressen ausschließlich Blüten des Kreuzenzians. Nach ihrer dritten Häutung lassen sie sich von der Pflanze fallen und warten darauf, dass sie von einer bestimmten Knotenameisenart gefunden werden. Da die Raupen den Geruch der Ameisenlarven imitieren, werden sie von den Ameisen in ihr Nest geschleppt und dort gefüttert und beschützt. Im Schutz des Ameisenbaus häuten sie sich ein weiteres Mal und verpuppen sich im Folgejahr. Da die frisch geschlüpften Falter nicht mehr nach Ameisenlarven riechen, müssen sie zügig das Nest verlassen. Diese Lebensweise als Brutparasiten legen einige Bläulingsarten an den Tag. Sie sind meist streng an eine bestimmte Futterpflanze und eine bestimmte Ameisenart gebunden! Fällt eine der beiden Komponenten weg, stirbt auch die Schmetterlingsart aus.

Raupen des Buchen-Zahnspinners

Raupen des Buchen-Zahnspinners

Buchen-Zahnspinner (Stauropus fagi) – Akrobat unter den Raupen
Wie von einem anderen Stern muten die Raupen des Buchen-Zahnspinners an. Sie sind etwa sechs Zentimeter lang, zwei ihrer Beinpaare sind stark verlängert, und die letzten drei Segmente ihres Hinterleibs sind keulenförmig verwachsen. Fühlen sie sich gestört oder bedroht, zeigen die älteren Raupen des Buchen-Zahnspinners ein eindrucksvolles Abwehrverhalten: Sie krümmen ihr Hinterleibsende über den Rücken, heben den Oberkörper und strecken die verlängerten Beinpaare aus. Sie fressen an verschiedenen Laubgehölzen wie Buche, Hainbuche, Hasel, Schlehe und anderen. Sie können von Ende Juli bis Ende Oktober beobachtet werden.

Raupen des Schwalbenschwanzes

Raupe des Schwalbenschwanzes

Schwalbenschwanz (Papilio machaon) – vertreibt Feinde mit speziellem Duft
Die Raupen des Schwalbenschwanzes sind Gemüsegärtnern wohlbekannt, denn sie fressen an Doldenblütlern wie Möhren, Dill oder Fenchel, aber auch an Wildpflanzen wie Wilder Möhre oder Diptam. Sie werden bis zu 45 Millimeter ang. Bei Störungen stülpen sie eine orangefarbene Nackengabel aus, mit der sie einen Duftstoff absondern: "Verdufte!" Dieser schreckt Fressfeinde wie etwa Ameisen ab. Die Art bildet ein bis drei Generationen pro Jahr, die Puppen der letzten Generation überwintern.

Raupen des C-Falters

Raupen des C-Falters

C-Falter–Raupen (Polygonia c-album) – tricksen mit ihrer Tarnung Vögel aus
Bei schwarzer Grundfarbe sind die hinteren zwei Drittel weiß, das verbleibende Drittel hellbraun gezeichnet – Raupen des C-Falters tarnen sich auf eine ganz besondere Weise. Durch die überwiegend weiße Färbung sehen sie von oben betrachtet wie Vogelkot aus, werden von Vögeln darum aus der Luft nicht als Nahrung erkannt. Sie werden etwa drei Zentimeter lang und fressen an verschiedenen Laubgehölzen wie Salweide, Ulmen, Stachelbeeren, aber auch an der Großen Brennnessel. Die Art bildet ein bis zwei Generationen pro Jahr und überwintert als Falter.

Raupen des Jakobskrautbären

Raupe des Jakobskrautbärs

Jakobskrautbär (Tyria jacobaeae) – fressen für ihr Leben gern an einer Giftpflanze
Das können wohl die wenigsten Insekten ab: Die gelb-schwarz geringelten Raupen des Jakobskrautbären, der auch Blutbär genannt wird, fressen hauptsächlich am Jakobs-Greiskraut. Die für Wirbeltiere giftige Pflanze macht den Raupen nichts aus. Vielmehr lagern sie die giftigen Alkaloide in ihrem Körper ein und sind damit für Fressfeinde wie etwa Vögel giftig. Mit ihrer auffälligen Zeichnung warnen die etwa drei Zentimeter langen Raupen andere Tiere vor ihrer Giftigkeit.

Raupen des Großen Gabelschwanz

Raupe des Großen Gabelschwanzes

Großer Gabelschwanz (Cerura vinula) – in der Abwehr ungeschlagen
Die Raupen des Großen Gabelschwanzes legen ein imposantes Abwehrverhalten an den Tag. Bei Störung ziehen sie den Kopf in das erste Brustsegment zurück, sodass der rote Ring um ihren Kopf sichtbar wird. Auf diesem Ring befinden sich zwei schwarze Flecken, sogenannte Scheinaugen. Zusätzlich können die Raupen aus dem Doppelschwanz am Ende ihres Körpers zwei lange, rote Schläuche ausstülpen, die sie zitternd bewegen können. Reicht das als Abschreckung nicht aus, kann die Raupe aus einer Drüse an der Unterseite ihres Kopfes Ameisensäure etwa 30 Zentimeter weit spritzen.

blauer Schmetterling

Schmetterlinge

Der Schmetterling gehört wie Badetage und Hitzewellen zum Hochsommer. In Deutschland leben über 3.700 Arten, die meisten sind Nachtfalter.

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