Waldkindergarten „Die Waldzwerge“

Berlin, 16. Februar 2016

Hereinspaziert, hereinspaziert …

Reihe für Reihe stehen die jungen Bäume schön geordnet und dicht beieinander im Stadtteil Besseringen am Rande der saarländischen Stadt Merzig — mittendrin drei Bau– und ein alter Zirkuswagen. Geordnete Wälder? Ein Zirkus im Wald?
„Nicht ganz“, beschreibt Lukas Martini, Erzieher und Leiter des Waldkindergartens Merzig-Besseringen das ungewöhnliche Gelände. „Die Bäume stehen so schön in Reihen, weil uns für den Waldkindergarten das Gelände einer ehemaligen Baumschule überlassen wurde, in den Bauwägen lagern wir unsere Materialien und im großen Zirkuswagen sind wir eigentlich zu Hause. Und so bunt und gut gelaunt wie im Zirkus geht es bei uns auch zu“, schmunzelt Lukas. Zudem gibt es auf dem Gelände noch eine selbst erbaute Bühne für Theateraufführungen der „Waldzwerge“, einen Weidentunnel, einen Sandhügel, ein Piratenschiff, einen kleinen Garten und eine Feuerstelle. „Im Sommer bekommen wir noch ein Hochbeet dazu, dann können wir unser eigenes Gemüse anbauen. Eigentlich ziemlich viel Ausstattung für einen Waldkindergarten, aber unser Wald ist auch nur wenige Meter vom Eingangstor entfernt“, erklärt Lukas und zeigt auf den Weg, der direkt in den Wald führt.

Kind im Waldkindergarten

Steckbrief

Art: Waldkindergarten
Geografische Lage: Merzig-Besseringen
Gründungsjahr: 2003
Träger: Sozialwerk Saar-Mosel gGmbH
Anzahl der Kinder: 22
Alter der Kinder: 3 bis 6 Jahre
Betreuungsschlüssel: 3 ErzieherInnen (VZ), 1 Aushilfe, 1 Berufspraktikantin

Wir können uns auf das konzentrieren, was uns liegt und wo unsere Stärken sind: den Kindern Zeit in der Natur schenken und diese gemeinsam nutzen.

Der einzige seiner Art

Im Jahr 2003 wurde der Waldkindergarten von einer Elterninitiative gegründet. „Insgesamt gibt es heute im Saarland nur zwei Waldkindergärten, uns und einen Waldorfkindergarten mit Naturprofil“, sagt Ute Müller, Vorsitzende des Fördervereins und Mutter von drei Waldkindern. Damit ist der Waldkindergarten Merzig-Besseringen im Saarland einzigartig in seiner Form und hat dafür auch drei Jahre um die Betriebserlaubnis gekämpft. Seit der Gründung des Waldkindergartens im Jahr 2003 hat sich vor allem eines geändert: die Trägerschaft. Die damalige Elterninitiative hat die Verwaltungsarbeit abgegeben. Heute ist das Sozialwerk Saar-Mosel (SWSM) Träger und kümmert sich um die Personal– und Verwaltungsangelegenheiten der Einrichtung. „Die Elternschaft konnte die organisatorische Arbeit nicht mehr allein leisten, daher sind wir sehr froh, dass wir seit einigen Jahren die Sozialwerk Saar-Mosel gGmbH hinter uns haben. So können wir uns auf das konzentrieren, was uns liegt und wo unsere Stärken sind: den Kindern Zeit in der Natur schenken und diese gemeinsam nutzen“, beschreiben Ute und Lukas die Zusammenarbeit zwischen Träger und Kindergarten.

Patenkindergarten Bauwagen Waldzwerge

Advent, Advent – ein Lichtlein brennt

Endlich ist es Dezember geworden. Die Kinder stellen sich im Morgenkreis um einen großen Adventskranz auf. Vier dicke rote Kerzen sind darauf zu sehen. Mit Hilfe von Erzieherin Marie darf Richard heute eine der Kerzen anzünden, denn der erste Advent ist schon vorüber. Nach dem Durchzählen werden selbst gebastelte Musikinstrumente verteilt und gemeinsam üben die Kinder ihr Lied für den Nikolaus, der für die kommende Woche seinen Besuch angemeldet hat. „Da steht er, da steht er, Sankt Nikolaus ist hier. Und mit Klingelingeling und mit schnauf – schnauf – schnauf und mit polter – polter – polter leert den Sack er aus“, schallt es aus 16 Kinderkehlen. Der Nikolaus kann kommen… Und noch eine Besonderheit wartet auf die Kinder im Dezember: ein Adventskalender der besonderen Art. „Ich glaube, ich habe vorhin Jerome gesehen. Der hat schon wieder was versteckt“, zwinkert Erzieherin Jennifer den Kindern zu. Die wissen sofort, was zu tun ist. Sie schwärmen aus und machen sich auf die Suche nach ihrem Adventsgeschenk. „Jerome ist unser Kindergartenwichtel. Der geistert hier immer mal wieder rum, versteckt manchmal die Sachen der Kinder. Und jetzt in der Adventszeit versteckt er jeden Tag einen Koffer mit einem kleinen Geschenk drin“, schmunzelt Jennifer. „Wir haben ihn“, rufen Nina und Jakob und kommen mit einem großen Koffer im Schlepptau zurück. Den Finder-Stolz sieht man ihnen an. Deshalb dürfen die beiden heute auch den Koffer öffnen. Darin hat Wichtel Jerome heute Material zum Basteln von Walnussschalen-Kerzen und ein Adventsgeschichtenbuch versteckt.

Morgenkreis Patenkindergarten

Wenn wir Zeit haben, kann unser Frühstück oder das Mittagessen schon einmal eine dreiviertel Stunde dauern.

Wo die Gemütlichkeit zu Hause ist

Die Kinder versammeln sich im großen Kreis um den Adventskranz. Die Reihenfolge für die nächste Aktion ist klar: Hände waschen, Sitzmatte rausholen, draufsetzen und schließlich die Brotdosen inspizieren. „Wenn wir Zeit haben, kann unser Frühstück oder das Mittagessen schon einmal eine dreiviertel Stunde dauern“, erzählt Lukas, während auch er seine Brotdose aus dem Rucksack holt. Die Kinder freuen sich über ihre Brote und Gemüseschnitze und wundern sich heute nicht zum ersten Mal, dass das Essen in ihren Dosen durcheinander gewirbelt wurde. „Guck mal, meine Gurke liegt heute unter dem Brot“, flüstert Felix seinem Sitznachbarn zu. „Das war bestimmt Jerome“, gibt der zurück, „meine Brotdose hat er auch schon wieder durchgeschüttelt“. Die beiden kichern und beißen schließlich in ihr Essen. „Man merkt, wie sehr die Kinder das gemeinsame Essen genießen“, hat Lukas beobachtet. „Wir finden es sehr wichtig, den Kindern dann auch die Möglichkeit dazu zu geben. Heute findet ein gemeinsames Essen in der Familie oft nicht mehr statt, weil die Arbeitszeiten der Eltern es nicht hergeben oder andere Termine eingehalten werden müssen. Da bleiben wir auch gerne mal ein paar Minuten länger sitzen.“ Den Kindern schmeckt es. Und weil es bei Kerzenschein so gemütlich ist, fordern sie gleich noch ihre Geschichte aus dem Adventskalender ein.

Von Drachenkraft und sprechenden Bäumen

Normalerweise bleiben die Waldzwerge freitags auf ihrem Gelände. Trotzdem wollen die Kinder heute unbedingt ihren Wald zeigen und zählen schon einmal auf, welche Plätze die besten sind zum spielen. Am Gartentor versammeln sie sich, dann geht es los – direkt in den Wald hinein. Die Kinder laufen los bis zur nächsten Kreuzung, dort werden sie ganz leise. Auf Zehenspitzen legen sie die nächsten Meter zurück. „Das dort vorn ist der sprechende Baum“, flüstert Jennifer. „Der schläft aber gerade“, zwinkert sie und versucht auf Zehenspitzen daran vorbei zu schleichen. Detelina läuft direkt auf den Baum zu. Sie lehnt sich an ihn und legt ihr Ohr an den Stamm. „Der Baum spricht nur mit den Kindern. Uns Erziehern erzählt er nichts“, sagt Jennifer. Was auch immer er den Kindern erzählt, muss sehr schön sein, denn Detelina nimmt sich Zeit, schaut den Baum noch einmal an und gibt ihm zum Schluss einen Abschiedskuss. „Bis zum nächsten Mal“, flüstert sie ihm zu und hüpft den anderen Kindern hinterher zum Waldplatz mit der Steinspirale. Dort angekommen, bleibt heute gar nicht viel Zeit. Ilango läuft die Steinspirale einmal ab, die anderen Kinder rennen um die Wette oder klettern auf den umgefallenen Baumstamm.

Kind umarmt Baum Patenkindergarten

Detelina nimmt sich Zeit, schaut den Baum noch einmal an und gibt ihm zum Schluss einen Abschiedskuss.

Schon geht es zurück zum Kindergartengelände, denn es ist Mittagszeit. Dort wartet bereits Erzieherin Marie auf die Kinder mit einer selbst gekochten „Drachenkraftsuppe“. „Eigentlich eine normale Linsensuppe, aber das ist natürlich nicht so spannend für die Kinder. Deshalb haben wir, als wir gerade das Thema Drachen behandelten, einfach eine Drachenkraftsuppe daraus gemacht und seitdem Fragen die Kinder immer wieder nach, wann es die Suppe denn mal wieder gibt“, erklärt sie den sonderbaren Namen. Na dann, guten Appetit!

Kontakt

Waldkindergarten „Die Waldzwerge“
Sozialwerk Saar-Mosel gGmbH
Zum Lindscheid
66663 Merzig
Tel.: 0151 54683981
waldkindergarten@swsm-merzig.de