Richtung Süden immer auf Sendung

Deutsche Wildtier Stiftung finanziert die Besenderung des Waldrapp-Nachwuchses aus der Brutkolonie Burghausen/Bayern

header_waldrapp_mobile2 Waldrapp mit Sender,
Copyright: Waldrappteam Conservation & Research

Auf der Burg zu Burghausen in Bayern sind in diesem Jahr 16 Waldrappküken geschlüpft. Im Herbst werden sie sich zum ersten Mal auf die Reise in ihr italienisches Winterquartier machen. Vor allem durch Strommasten und Abschüsse werden jedes Jahr Waldrappe auf dem Zug gen Süden getötet. Um mehr über die Flugrouten und die konkreten Gefahren für diese stark bedrohte Vogelart zu erfahren, werden die Tiere mit kleinen Rucksacksendern ausgestattet.

Hamburg/Burghausen, 22. Juli 2021

Es ist die längste Burganlage der Welt: Über mehr als einen Kilometer erstreckt sich die Burg zu Burghausen an der deutsch-österreichischen Grenze. Aber das ist nichts im Vergleich zu der Strecke, die die hier geschlüpften Waldrappe im Herbst vor sich haben. Rund 800 Kilometer liegen zwischen dem Geburtsort der gänsegroßen Tiere und ihrem Winterquartier in der Toskana. Prof. Dr. Klaus Hackländer, Vorstand der Deutschen Wildtier Stiftung, hat kürzlich 16 Solarsender an den österreichischen Förderverein „Waldrappteam“ übergeben, um die Jungvögel auf ihrem Zug gen Süden überwachen zu können. An dem Verein sind verschiedene Partner aus Deutschland, Österreich und Italien beteiligt. Auch die Deutsche Wildtier Stiftung fördert das europäische Wiederansiedlungsprogramm von Geronticus eremita, einer der am stärksten bedrohten Vogelarten der Welt.

Schon vor rund 400 Jahren galt der Waldrapp in ganz Europa als ausgerottet. Nach Aufzuchtprogrammen in Zoos wie dem Tiergarten Schönbrunn gibt es mittlerweile wieder wildlebende Waldrappe, die an verschiedenen Standorten in Bayern, Baden-Württemberg und im Salzburger Land brüten. Die Deutsche Wildtier Stiftung unterstützt die Wiederansiedlung in Deutschland.

So hat sich in den Nischen der Burgmauer in Burghausen in den vergangenen Jahren eine kleine Brutkolonie etabliert. In diesem Jahr waren in fünf Nestern 16 Küken geschlüpft. Sie gilt es nun auf ihrer ersten langen Reise zu überwachen – und zu schützen. „Die Besenderung ist eine essenzielle Grundlage zur Erforschung des Zugverhaltens der Jungvögel Richtung Toskana“, sagt Hackländer, „gleichzeitig können effektive Bedrohungen wie die illegale Vogeljagd in Mittelmeerländern aufgedeckt werden.“ Anfang der 2000er-Jahre zeigte eine Studie, dass 60 Prozent der wenigen vorhandenen Tiere auf ihrer Route über Italien abgeschossen wurden. Kann die illegale Tat durch Sender nachgewiesen werden, drohen den Schützen hohe Geldstrafen.

„Damit der Waldrapp sich als wilder Kulturfolger bei uns wieder zu Hause fühlt, muss er sein altes Verhalten, nämlich das Wegziehen im Winter, neu lernen“, erklärt Hackländer. „Findet der junge Waldrapp im ersten Lebensjahr die Zugroute ins Winterquartier nicht, wird er nie ein eigenständiges Leben führen.“ In der ersten Projektphase wurden die Jungvögel in Ermangelung erfahrener Tiere daher mit Ultraleichtflugzeugen auf ihrer Reise angeleitet. Den Rückweg fanden sie dann selbständig – und konnten im darauffolgenden Jahr der nächsten Generation den Weg weisen. Zum ersten Mal funktionierte das im Herbst 2012. Um die Route jedes einzelnen Vogels genau verfolgen zu können, tragen die Waldrappe während des Fluges nun ihre kleinen, 20 Gramm leichten Rucksacksender. Ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einer stabilen Waldrapp-Population, so Hackländer: „Wenn sie erfolgreich ihr Ziel erreichen, sind wir einer gelungenen Wiederansiedlung wieder einen wichtigen Schritt nähergekommen.“

Verfolgen Sie die Waldrappe auf ihrem Flug nach Italien mit der App Animal Tracking: http://waldrapp.eu/index.php/de/app

Mehr über unsere Arbeit für den Waldrapp unter www.deutschewildtierstiftung.de/naturschutz/waldrapp-navigationstraining-fuer-zugvoegel und bei unseren Partnern auf www.waldrapp.eu sowie www.zoovienna.at/natur-und-artenschutz/waldrapp/.

Waldrapp Copyright (c) 2019 Barbara Ash/Shutterstock

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