Wo lebt die Mopsfledermaus?

Beginn der Feldforschungsarbeiten in acht Bundesländern

Mopsfledermaus (Foto: imagebroker.com)

Sie sehen mit den Ohren, fliegen mit den Händen und schlafen mit dem Kopf nach unten - Fledermäuse sind faszinierende Säugetiere. Alle der in Deutschland vorkommenden Fledermausarten stehen auf der Roten Liste, einige Arten sind vom Aussterben bedroht. Jetzt startet ein bundesweites Schutzprojekt zur seltenen Waldfledermaus in acht Bundesländern. Die Deutsche Wildtier Stiftung ist dafür in Mecklenburg-Vorpommern aktiv.

Hamburg, 06. Mai 2020

Bereits im Januar wurde sie zur „Fledermaus des Jahres 2020-2021“ gekürt. Nach Ende ihrer Winterruhe sucht sich die Mopsfledermaus nun vor allem in alten Bäumen mit abstehender Rinde, in Stammrissen oder Baumspalten ihre Sommerquartiere. Doch wo in unseren Wäldern gibt es noch Mopsfledermäuse? Wie nutzen diese Tiere ihre Lebensräume und wie lassen sich die Bedingungen für die bedrohte Art verbessern? Um diese Fragen zu beantworten, beginnen ab Mai in acht Bundesländern Feldforschungsarbeiten zur deutschlandweiten Verbreitung der Mopsfledermaus. Die Arbeiten sind Bestandteil eines bundesweiten Schutzprojekts im Bundesprogramm Biologische Vielfalt.

Totholz und alte Bäume, hier in Rechlin, sind für Fledermäuse wichtig (Foto: Deutsche Wildtier Stiftung)

Totholz und alte Bäume, hier in Rechlin, sind für Fledermäuse wichtig (Foto: Deutsche Wildtier Stiftung)

76 Standorte in MV wurden schon untersucht

Das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern stellt eine der Forschungsregionen dar. Hier wird unter Leitung der Deutschen Wildtier Stiftung vor allem in den stiftungseigenen Naturerbeflächen und auf Gut Klepelshagen nach Quartierbäumen der seltenen Fledermausart gesucht. Die Deutsche Wildtier Stiftung ist Partnerin der Naturstiftung David, die innerhalb des Projekts für Flächen des Bundes und von Naturschutzstiftungen verantwortlich ist. Schon im letzten Jahr hat die Deutsche Wildtier Stiftung an 76 verschiedenen Standorten nach der seltenen Art geforscht. „Hierfür wurden Ruferfassungsgeräte, die sogenannten Mini-Batcorder, eingesetzt“, erklärt Sebastian Brackhane, Fledermausforscher der Deutschen Wildtier Stiftung. Wenn eine Mopsfledermaus zwischen Baumwipfeln und an Waldrändern Kleinschmetterlinge jagt und dabei Ultraschallrufe zur Orientierung ausstößt, zeichnet das Gerät diese auf. „An zwei Standorten in der Naturerbefläche Rechlin konnten so bereits Mopsfledermäuse nachgewiesen werden“, so der Experte. Das Wissen um die Verbreitung der Mopsfledermaus in Mecklenburg-Vorpommerns Wäldern soll jetzt weiter vertieft werden. In Rechlin werden im Mai einzelne Tiere von Forschenden mit Netzen gefangen und mit einem Sender versehen. Damit lassen sich die Quartiere der Fledermäuse ausfindig machen. „So können wir die für die Mopsfledermaus wichtigen Bäume identifizieren und besondere Schutzmaßnahmen einleiten“, sagt Brackhane.

Mehr Infos über das Verbundprojekt und Fledermäuse finden Sie hier und hier.

Langfristiges Ziel der Forscher: Lebensräume vernetzen

Das Projekt „Schutz und Förderung der Mopsfledermaus in Deutschland“ hat zum Ziel, die Mopsfledermaus zu schützen sowie ihre Lebensräume zu optimieren und zu vernetzen, um der Verantwortung Deutschlands für den Erhalt der Art gerecht zu werden. Ein zentraler Baustein hierbei ist eine naturnahe Waldbewirtschaftung, denn sie fördert Baumstrukturen, die die Mopsfledermaus als Lebensraum benötigt. Daher engagiert sich das Projekt für eine enge Zusammenarbeit mit den öffentlichen wie privaten Waldeigentümern sowie der Forstwirtschaft. Gemeinsam sollen geeignete Schutzmaßnahmen für die Art in eine forstliche Nutzung integriert werden. Das Verbundprojekt „Schutz und Förderung der Mopsfledermaus in Deutschland“ wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) mit 4,3 Mio. Euro gefördert Hier mehr Infos zum Programm. Die Teilprojekte des Vorhabens werden darüber hinaus von den jeweiligen Ländern und weiteren Partnern wie der Deutschen Wildtier Stiftung unterstützt. Das finanzielle Gesamtvolumen beträgt 5,44 Mio. Euro.

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Fledermäuse gehören zu einer sehr alten Säugetiergruppe, die seit Millionen von Jahren auf der Erde lebt. Sie haben kaum natürliche Feinde und trotzdem sind beinahe alle der in Deutschland vorkommenden Fledermausarten bedroht.

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