Moore, Auen, Sümpfe

Warum Feuchtgebiete so wichtig für den Natur- und Artenschutz sind

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Feuchtgebiete oder auch Feuchtbiotope liegen in Übergangsbereichen zwischen trockenen und dauerhaft feuchten Ökosystemen. Der Begriff umfasst verschiedene, vom Wasser abhängige, Lebensräume wie Aue, Moor, Bruchwald, Sumpf oder Feuchtwiese.

Hamburg, 02. Februar 2017

Internationales Übereinkommen zum Schutz von Feuchtgebieten

Für Ökologie, Klimaschutz und Hochwasserschutz haben Feuchtgebiete eine hohe Bedeutung. Daher hat die UNESCO im Jahr 1971 die Ramsar-Konvention, ein Übereinkommen zum internationalen Schutz von Feuchtgebieten, angestoßen. Es wurde von mittlerweile von 169 Ländern ratifiziert und ist eines der ältesten internationalen Vertragswerke im Naturschutz.

Eine allgemein gültige Definition des Begriffes Feuchtgebiete gibt es nicht. Die Definition in der Konvention von Ramsar lautet: „Feuchtgebiete im Sinne dieses Übereinkommens sind Feuchtwiesen, Moor- und Sumpfgebiete oder Gewässer, die natürlich oder künstlich, dauernd oder zeitweilig, stehend oder fließend, Süß-, Brack- oder Salzwasser sind, einschließlich solcher Meeresgebiete, die eine Tiefe von sechs Metern bei Niedrigwasser nicht übersteigen.“

Nur noch wenige intakte Feuchtgebiete in Deutschland

Es gibt in Deutschland nur noch wenig intakte Feuchtgebiete. Der Mensch hat in den vergangenen Jahrhunderten immer mehr Feuchtgebiete entwässert, um sie landwirtschaftlich nutzbar zu machen. Dabei wurden zum Beispiel Moore von Kohlenstoffsenken durch die Entwässerung zu Kohlenstoffquellen. Torf – also die Ansammlung von unvollständig zersetztem Pflanzenmaterial - wurde unter anderem als Brennmaterial, Bindemittel oder Dünger verwendet. Noch heute wird im konventionellen Gartenbau torfhaltige Erde verwendet. Zum Schutz der Moore empfehlen wir torffreie Erde zu verwenden.

Auf den Flächen der Deutschen Wildtier Stiftung finden sich vorwiegend Niedermoore und Feuchtwiesen. Auf Flächen, die durch menschliche Eingriffe stark beeinträchtigt sind, ergreifen wir gezielt Maßnahmen, um diese Gebiete wieder zu beleben. Um die Artenvielfalt zu erhalten und zu steigern, müssen Feuchtwiesen regelmäßig bewirtschaftet werden, da sie sonst verbuschen und auf lange Sicht zu Wald werden.

Das Wichtigste für intakte Feuchtgebiete und ihre Artenvielfalt ist ein naturnaher Wasserhaushalt. Aus diesem Grund ist unser Ziel auf vielen Stiftungsflächen mehr Wasser in das Gebiet zu bekommen. Dies geschieht vor allem über den Verschluss von Gräben oder deren Anstau.

Linda Beher, Deutsche Wildtier Stiftung

MOOR

Das Moor ist wohl das bekannteste unter den Feuchtgebieten. Seine Entstehung war lange Zeit ein Rätsel. Moore entstehen überall auf der Erde, wo es ausreichend torfbildene Vegetation und Wasser gibt. Die Moorbildung begann nach dem Ende der letzten Eiszeit. Täler, Senken und Niederungen wurden durch schmelzendes Eis und viele Niederschläge überflutet. Intakte Moore sind beständig mit Wasser gesättigt und können im Gegensatz zu Sümpfen nicht austrocknen. Sie bestehen zu 95% aus Wasser und gelten als großer Wasser- und Kohlenstoffspeicher. Man unterscheidet Moore in Hochmoor, Niedermoor und Zwischenmoor.

Hochmoor

Hochmoore nennt man auch Regenwasser- oder Armmoore. Sie werden nur durch Regenwasser gespeist und haben keine Verbindung zum Grundwasser. Dadurch sind sie relativ nährstoffarm und bieten vielen spezialisierten Pflanzen- und Tierarten ein Rückzugsgebiet. Sie entstehen, indem sich mehr Pflanzenmaterial bildet, als abgebaut werden kann. Dieses Pflanzenmaterial sammelt sich und wird allmählich zu Torf.

Beispiele für Pflanzen und Tiere, die in Hochmooren heimisch sind: Sonnentau (langblättrig oder rundblättrig), Torfmoose, Wollgras, Mosaikjungfer, Perlmuttfalter, Hochmoorgelbling, Hochmoorlaufkäfer und viele mehr.

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Niedermoor

Wenn sich in Senken nährstoffreiches Wasser sammelt, bilden sich Niedermoore. Sie bieten günstige Voraussetzungen für Tiere und Pflanzen sowohl in der Individuenzahl als auch in der Vielfalt. Niedermoore entstehen durch oberflächennahes Grundwasser zum Beispiel im Quellenbereich oder im Verlandungsbereich von Seen. Durch das Wasser können Pflanzenteile nicht abgebaut werden. Es entsteht Torf.

Beispiele für Pflanzen und Tiere, die im Niedermoor heimisch sind:
Schilfrohr, Rohrkolben, Binsen, Fieberklee, Pfeifengras, Knabenkraut, Scheckenfalter, Wiesenknopf, Moorfrosch, Rohrdommel und viele mehr.

Zwischenmoor

In Gebieten mit vielen Niederschlägen können sich Niedermoore auch zu Hochmooren entwickeln. Neue Torfschichten von oben pressen darunter liegende Torfschichten zusammen. Nährstoffe aus dem Grundwasser können so nicht mehr in das Moor gelangen.

Beim von der Deutschen Wildtier Stiftung geförderten Darßer NaturfilmFestival 2016 wurde „Magie der Moore“ von Jan Haft zum besten Film in der Rubrik Wildnis Natur gekürt.

AUE

Um einen Fluss herum gibt es viele Strukturen, die in unterschiedlicher Weise vom stehenden oder strömenden Wasser geprägt werden. Altarme, Tümpel, Rinnen und Mulden ist gemeinsam, dass sie häufig überschwemmt werden. Regelmäßige Überschwemmungen schaffen durch Ablagerungen von Sedimenten, das Wegbrechen von Ufern oder das Umstürzen von Bäumen, immer wieder neue Pionierstandorte sowie Lebensraum für speziell daran angepasste Pflanzen- und Tierarten. Je ungestörter eine Auenlandschaft ist, desto größer ist ihre Artenvielfalt. Mit einem natürlichen Uferrandstreifen steigt die Artenzahl gewaltig. Man findet dort zum Beispiel: Biber, Fischotter, Rotbauchunke, Uferschwalbe und viele mehr.

Bruchwald

Bruchwälder sind permanent nasse, örtlich überstaute, sumpfige Wälder. Dadurch unterscheiden sie sich von gelegentlich gefluteten Sumpf- oder Auenwäldern. Bruchwälder sind grundwassernah und werden in der Regel überwiegend im Frühjahr überschwemmt. Der Oberboden besteht aus einer zehn bis zwanzig Zentimeter dicken Torfschicht. Wenn Seen, abgeschnittene Flussarme oder Moore zu Land übergehen, bilden Bruchwälder oft den äußeren Rand. In den Randmulden von Flussauen treten sie besonders großflächig auf.

Sumpf

Der Sumpf ist ein Feuchtgebiet an Seeufern und in Flussniederungen, das stark schlammige Böden und stehendes Wasser aufweist. Im Gegensatz zum Moor bildet sich im Sumpf kein Torf aus und durch gelegentliches Austrocknen wird die organische Substanz vollständig abgebaut.

Den Sumpf von anderen feuchten Lebensräumen abzugrenzen, ist nicht ganz einfach. Diese baumfreien, teilweise eher gebüschreichen Landschaften werden von Sumpfpflanzen dominiert. Sümpfe sind durch Entwässerung und landwirtschaftliche Nutzung gefährdet, wurden und werden aber teilweise wieder renaturiert. Künstlich kann dieser Lebensraum in Gärten durch die Anlage eines Sumpfbeetes geschaffen werden.

Beispiele für Pflanzen und Tiere, die im Sumpf heimisch sind: Sumpfschwertlilie, Pfeilkraut, Schilf, Biber, Otter, Moorfrosch, Sumpfschildkröte.

Feuchtwiese

Eine Feuchtwiese ist ein gehölzfreies, von Gräsern, Binsen, Seggen und anderen krautigen Pflanzen gekennzeichnetes Biotop, dessen Boden vom Grundwasser beeinflusst oder gelegentlich überschwemmt wird.

Feuchtwiesen sind artenreiche Biotope, die wesentlich zur Prägung der mitteleuropäischen Kulturlandschaft beitragen. Sie liegen im Bereich von Flusstälern, an Seen oder in Senken. Man nennt sie auch halbnatürliche Biotope, weil ihre Vegetation durch die Nutzung des Menschen stark beeinflusst wird. Erst durch die Mahd oder Nutzung als Weideland erhielten niedrigwüchsige Pflanzen eine Chance. Durch zu intensive Nutzung werden sie jedoch artenarm. Je nach Region gestalten sich aus den Faktoren Klima, Wasserhaushalt und Boden Pflanzen- und Tiergemeinschaften.

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Ufer

Ufer gehören zu den dynamischsten Lebensräumen. Sie sind geprägt durch große Schwankungen. Wo eben noch kleine Fische schwammen, laufen kurze Zeit später Käfer über trockenen Sandboden.

Pflanzen und Tiere in der Uferzone haben sich an die Schwankungen in ihrem Lebensraum angepasst. Tritt das Gewässer über die Ufer, erhalten die Wurzeln keinen Sauerstoff und müssen mit starker Nässe zurechtkommen. Sie haben Wege entwickelt, den Sauerstoff oberhalb der Wasseroberfläche aufzunehmen und in die Pflanzenteile unterhalb der Wasseroberfläche zu leiten. Auch Uferbrüche bilden für viele Arten wichtige Lebensräume. Sie sind jedoch durch die vielerorts durchgeführten Uferbestigungen selten geworden.

Totholz bietet zahlreichen Tieren Lebensraum.

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