Seltene und bedrohte Wildbienenarten in der Hamburger Innenstadt nachgewiesen

Wall und Deutsche Wildtier Stiftung ziehen positive Bilanz begrünter Fahrgastunterstände – Ausweitung des Projekts geplant

header2_dachbegruenung_bushaltestelle header2_dachbegruenung_bushaltestelle

Es ist eine Kooperation des Unternehmens Wall und der Deutschen Wildtier Stiftung und ein in Deutschland bislang einzigartiges Projekt: Erstmals wurde der ökologischen Mehrwert kleiner Gründächer auf Bushaltestellen in Großstädten wissenschaftlich untersucht. Unsere Artenschützer konnten dabei 49 verschiedene Wildbienen- und Wespenarten auf nur zwei begrünten Fahrgastunterständen in Hamburg nachweisen. Darunter seltene und bedrohte Arten sowie eine Wespenart, die zuvor noch nie in der Hansestadt gefunden wurde. Das Fazit der ersten Projektphase: Gründächer auf Bushaltestellen können neue Lebensräume für Insekten selbst in verdichteten urbanen Stadträumen schaffen. Das fördert die Biodiversität. Voraussetzung sind die Wahl der richtigen Pflanzen und technische Expertise im Hinblick auf die Konstruktion der Dächer.

Hamburg, 21. April 2023

Seit Juni 2021 lief die Untersuchung an den Bushaltestellen, die Wall und die Deutsche Wildtier Stiftung in Abstimmung mit der Behörde für Verkehr und Mobilitätswende realisierten. Für zwei Haltestellen wurden speziell konzipierte Fahrgastunterstände errichtet, auf deren Dächern Nahrungspflanzen für Insekten wachsen. An der Stadthausbrücke, in einem hoch verdichteten und schattigen Stadtraum, und an der Osterstraße, die mehr Stadtgrün aufweist, untersuchten unsere Wildbienenexperten die gesamte Vegetationsperiode 2022 hindurch, wie sich die Bepflanzung mit ausgesuchten Blütenpflanzen auf die Attraktivität der Dächer für Insekten und besonders Wildbienen auswirkt.

Abschlussbericht zeigt überraschende Ergebnisse

Der Abschlussbericht für diese erste Projektphase zeigt überraschende Ergebnisse: Bereits im ersten Jahr mit vollständigem Bewuchs nutzten zahlreiche Bienen- und Wespenarten die zwei Gründächer. Insgesamt konnten von Mai bis September 49 Arten (25 Bienenarten und 24 Wespenarten) nachgewiesen werden. Am dem eher schattig gelegenen Standort Stadthausbrücke wurde sogar eine größere Artenvielfalt festgestellt als am Standort Osterstraße – das hatten auch unsere Experten nicht erwartet. Unter den identifizierten Arten befand sich mit einer Goldwespenart (Elampus konowi) eine sehr seltene und erst 2021 in Hamburg nachgewiesene Art. Überraschenderweise konnten wir auch den Erstfund von Omalus biaccinctus, einer weiteren Goldwespenart, in Hamburg dokumentieren. Mit der Sandbiene (Andrena denticulata) fanden wir zudem eine Wildbiene, die auf der Vorwarnliste der bedrohten Arten zu finden ist.

Die Pflege der Gründächer auf den Fahrgastunterständen war mit geringerem Aufwand verbunden, als anfangs vermutet. Im ersten Jahr nach der Anlage (2021) wurden die beiden Flächen bewässert, um das Anwachsen und Ausbreiten der ausgewählten Blühpflanzen sicherzustellen. Im zweiten Jahr musste trotz besonders geringer Niederschläge im Sommer nicht mehr gewässert werden. Die Pflanzen erwiesen sich als recht resistent gegenüber den verschiedenen Witterungsbedingungen. Auch die Unterstände selbst, die eigens für das Pilotprojekt neu konstruiert worden waren, um etwa Regenwasser aufnehmen und die zusätzliche Dachlast tragen zu können, kamen ohne zusätzlichen Wartungsaufwand aus. Ein ökologisch sinnvolles Konzept also mit einem Mehrwert für Insekten und gleichzeitig sehr effizientem Ressourceneinsatz.

Aufgrund dieser durchgehend positiven Ergebnisse erweitert Wall das Projekt um zusätzliche fünf Gründächer in Hamburg. Sie werden voraussichtlich ab Oktober 2023 bepflanzt um im Jahr 2024 den Insekten neuen Lebensraum bieten. Unser Expertenteam wird erneut die Pflanzungen begleiten und die wissenschaftlichen Erhebungen durchführen. Wall trägt auch weiterhin allein die gesamten Projektkosten in Höhe eines sechsstelligen Betrags.

Julia-Marie Battermann Projektleiterin der Deutschen Wildtier Stiftung

Julia-Marie Battermann, Projektleiterin der Deutschen Wildtier Stiftung: „Obwohl sich die Gründächer mitten in der Stadt befinden und sie nur eine geringe Größe haben, konnten wir einige wertgebende Arten nachweisen. Auch die Zahl der Arten und Individuen haben unsere Erwartungen übertroffen. Gründächer können daher wesentlich zum Schutz von Wildbienen-Populationen beitragen.“

Patrick Möller Geschäftsführer Städtemarketing und Service der Wall GmbH

Patrick Möller, Geschäftsführer Städtemarketing & Service der Wall GmbH, zu den Ergebnissen des Pilotprojekts: „Ich freue mich außerordentlich, dass wir mit diesem Konzept einen erfolgreichen Beitrag für praktischen Naturschutz im urbanen Umfeld leisten können. Mein Dank gilt der Deutschen Wildtier Stiftung und der Behörde für Verkehr und Mobilitätswende als langjährigem Partner für ihre Unterstützung unseres Vorhabens. Bisher wurden in Deutschland in Städten nur einfach gestaltete Gründächer – oft nur mit Moos oder Flechten und ohne spezifisches ökologisches Konzept – bepflanzt. Unser Ziel war es, durch ein wissenschaftlich fundiertes Konzept, einen nachhaltigen ökologischen Effekt zu erzielen und nicht nur einfach einen Fahrgastunterstand zu begrünen. Die erstmals in Deutschland durchgeführte wissenschaftliche Begleitstudie der Wirksamkeit einer Dachbegrünung beweist den Erfolg des gewählten Ansatzes und bestärkt uns im Vorgehen. Als Unternehmen haben wir uns einer anspruchsvollen Nachhaltigkeitsstrategie verpflichtet, die uns motiviert, unser Wissen und Knowhow auch in unsere Stadtmöbel zu integrieren um im konkreten Fall damit einen wirksamen Beitrag zum Umwelt- und insbesondere Insektenschutz zu leisten.“

Wildbiene auf einer Blume

Wildbienen – hochbedroht und unverzichtbar

Der Lebensraum für Wildbienen und andere Insekten wird knapp. Es fehlt an Nahrungsquellen und Nistmöglichkeiten. Deshalb engagiert sich die Deutsche Wildtier Stiftung im urbanen Wildbienenschutz.

Zum Projekt
Über unser Projekt

Kinder werden Spatzenretter

Die Deutsche Wildtier Stiftung setzt sich mit ihrem Projekt „Rettet den Spatz!“ für den Schutz des Haussperlings ein. Mit der Janosch-Spatzenkiste werden der Spatz und seine Gefährdung zu einem Thema in der Naturbildungsarbeit mit Kindern.

Zum Projekt
Wildbienen und Schmetterlinge Copyright: ImageBroker.com/WilfriedMartin

Spenden

Alle Spendengelder werden in voller Höhe ohne Abzug von Kosten für Verwaltung und Öffentlichkeitsarbeit für Natur- und Artenschutzprojekte verwendet.

Jetzt Spenden