Trauerseeschwalben-Tagebuch vom Hinterwiesenweiher

Jetzt schon 52 Brutpaare - das ist Rekord!

Trauerseeschwalbe

Michael Tetzlaff von der Deutschen Wildtier Stiftung in Mecklenburg-Vorpommern hat eine Passion: Die seltenen und bedrohten Trauerseeschwalben auf dem Hinterwiesenweiher in Klepelshagen wieder anzusiedeln. Wieviel Herzblut hinter dem Schutzprojekt der Deutschen Wildtier Stiftung steckt, erfährt man aus Tetzlaffs Tagebuch-Einträgen. Lesen Sie mal rein.

Rekord! 52 Trauerseeschwalben-Paare auf dem Hinterwiesenweiher

„Durch unsere Arbeit in den letzten Jahren haben wir es geschafft, die größte Brutkolonie in Mecklenburg-Vorpommern zu beherbergen“, sagt der Ornithologe. Soviel zu den Fakten. Wieviel Herzblut aber hinter dem Schutzprojekt der Deutschen Wildtier Stiftung für die scheuen Seeschwalben steckt, erfährt man aus Tetzlaffs Tagebuch-Einträgen.

Hier Auszüge aus seinem Tagebuch, das wir fortführen werden.

Klepelshagen, 25.4. 2016
Nisthilfen ahoi! Wie in jedem Jahr haben wir die Nisthilfen für die Trauer- und Flussseeschwalben am Hinterwiesenweiher ausgebracht. Mit dem Boot wurden in diesem Jahr insgesamt 53 Plattformen an ihren Platz im Gewässer gebracht. Auch die große Insel für die Verwandte Flussseeschwalbe wurde wieder hübsch ausgestattet in die Gewässermitte geschleppt. In diesem Jahr haben wir insgesamt drei Standorte für unsere Nisthilfen auserwählt. Wir erhoffen uns weitere Trauer- und Flussseeschwalbenkolonien in Klepelshagen. Jetzt heißt es gespannt auf die Rückkehrer zu warten und auf ein erfolgreiches Brutjahr zu hoffen.

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Klepelshagen, 2. 5. 2016
Seit Freitag sind die Flussseeschwalben am Hinterwiesenweiher angekommen und schon aktiv in der Balz. Seit heute sind dann auch die Hauptdarsteller, die Trauerseeschwalben, in die Kolonie zurückgekehrt. Die ersten 13 Vögel haben die Nisthilfen ausgiebig inspiziert. Die ersten Tage werden wieder durch sporadische Besuche geprägt sein. Etliche zurückgekehrte Trauerseeschwalben wurden schon für Mecklenburg- Vorpommern gemeldet. Größere Trupps sind seit dem 28.04. im Land unterwegs. Im vergangenen Jahr trafen die Seeschwalben später ein und gestaffelter in kleineren Trupps. Ob das frühere Auftreten in größeren Trupps positive Bedeutung für die Brutsaison hat, bleibt abzuwarten aber die Hoffnung auf ein positives Jahr wird dadurch nur verstärkt. Es bleibt spannend!

Klepelshagen, 17. 5. 2016
Nachdem ich noch vor einiger Zeit von dem immer späteren Brutbeginn bei unseren Trauerseeschwalben berichtet habe, scheint es in diesem Jahr dann doch wieder in „geregelten Zeitbahnen“ abzulaufen. In der vergangenen Brutsaison startete die Brutphase mit den ersten Gelegen erst am 29.05. obwohl die Vögel die Kolonie sehr früh besetzt hatten (24.04.). Der frühste Termin seit den Aufzeichnungen 2004. Die diesjährigen Aufzeichnungen zeigen das genaue Gegenteil im Vergleich zu 2015. Die Seeschwalben besetzten die Kolonie mit zaghaften Besuchen relativ spät am 02.05. und haben mit dem ersten Gelege heute den 17.05. die aktuelle Brutsaison früher als die vergangenen Jahre eingeläutet. Bis jetzt haben sich insgesamt 38 Paare gefunden und Nisthilfen besetzt. Diese werden nachdem der Partner gefunden und ein zukünftiges Nest besetzt wurde, nicht mehr so aggressiv gegen noch suchende Vögel verteidigt. Es ist also noch Luft nach oben und ich denke wir kommen auf jeden Fall auf 40 Paare. Platz ist genug vorhanden, denn 50 Nisthilfen schwimmen schön zurechtgemacht auf dem Gewässer. Die Flussseeschwalben haben ihre Nisthilfe ebenso besetzt. Nun hoffen wir auf eine störungs- und Waschbärfreie Schönwetter- Brutsaison mit ganz vielen kleinen Seeschwalben!!

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Klepelshagen, 23.5. 2016
Meine Aussage „das Maximum unserer Kolonie ist noch nicht erreicht“ wurde von einigen Experten in Frage gestellt. Die letzte Zählung erbrachte insgesamt 52 Paare!!! Nachdem das vergangene Jahr mit 41 Brutpaaren das bisherige Rekordergebnis für unseren Standort bedeutete, ist das jetzige Ergebnis eine weitere Steigerung um 26 %. Davon bebrüten schon 13 Paare ein Gelege. Das Wetter begünstigt die schnelle Besetzung der Nisthilfen. Insgesamt wurden in diesem Jahr 54 Plattformen ausgebracht. Nachdem so viele Vögel in unserer Kolonie anwesend waren, wurde die Anzahl an Plattformen nochmals erhöht. Eigentlich sollte man Statistiken nicht so viel Glauben schenken, doch unsere TSS-Statistik zeigt an das alle 3 Jahre ein gutes Reproduktionsjahr ist und 2016 wäre dann so ein erfolgreiches Jahr. Die Brutpaarzahlen sind schon mal vielversprechend und lassen auf ein gutes Trauerseeschwalbenjahr am Hinterwiesenweiher hoffen.

Klepelshagen, 24.5. 2016
Meinen Schätzungen zufolge schwankt der Bestand der Trauerseeschwalben von Jahr zu Jahr in Deutschland, hat sich aber bei 600 – 700 Brutpaaren eingepegelt. In Mecklenburg- Vorpommern schwankt der Bestand zwischen 150 – 200 Brutpaaren.

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Klepelshagen, 27. 5. 2016
Jetzt ist die Zeit in der es „Schlag auf Schlag“ in unserer
Trauerseeschwalbenkolonie zugeht und es täglich Neuigkeiten gibt. Mittlerweile sind wir im Bestand bei der beachtlichen Zahl 53(!) angekommen, von denen mittlerweile 44 Paare brüten. 9 Paare werden in den nächsten Stunden Eier legen. Die bisherigen Gelegegrößen setzen sich wie folgt zusammen: 20x 1 Ei 19x 2 Eier und 5x 3 Eier = 67 Eier! Stündlich kommen neue Eier dazu und die Gelegegrößen werden erfreulich wachsen. Bis jetzt sieht alles nach einem Erfolgsjahr aus und könnte das bisherige Rekordergebnis von 103 Jungvögeln aus dem Jahr 2011 toppen. Doch nach den eher schlechten Ergebnissen der letzten vier Jahre bin ich aber weiterhin skeptisch. Es ist zu vermuten das das diesjährige hohe Brutvorkommen die Auswirkungen aus dem guten Jahr 2001 sind und viele der jetzt geschlechtsreifen Jungvögel zurückgekehrt sind. Eine weitere sehr erfreuliche und spannende Beobachtung ist die Feststellung zweier beringter Vögel in der Kolonie. Beide Männchen sind Brutvögel. Bei einem konnte ich den Ringcode ablesen. Dieser Vogel wurde in der Region Nijmegen/ Niederlande beringt. Ich stehe mit den Kollegen aus Holland in Kontakt und weitere Informationen werden demnächst folgen. Es bleibt spannend wann der Vogel dort beringt wurde.

Klepelshagen, 31.5. 2016
Das erste große Sommerunwetter mit Starkregen, Gewitter und Sturmböen ist über Klepelshagen und der Trauerseeschwalbenkolonie hinweggezogen. Solche starke Wetterunbilden können in solchen Vogelkolonien große Verluste hervorrufen. In den vergangenen Jahren gab es solche Ereignisse auch am Hinterwiesenweiher bei denen einige Gelege und Jungvögel verunglückten. Hierbei kommt es aber im Gegensatz zum Raubsäugerereignis nicht zum Totalverlust. Das gestrige Unwetter hat unsere Kolonie dank optimaler Nistplattformen gut überstanden. Kein Gelegeverlust ist zu beklagen. Die heutige Zählung ergab folgendes hoch erfreuliches Ergebnis: 52 Brutpaare mit insgesamt 132 Eier die sich wie folgt zusammen setzen: 5x1 Ei, 21x 2 Eier, 27x 3 Eier und als Besonderheit 1 x 4 Eier!! Damit sind wohl alle Vollgelege da und das Warten auf die ersten Jungvögel beginnt. Im Anhang ein vierbeiniger Besucher in unserer Kolonie - ein Reh. Zum Glück Vegetarier ;)

Trauerseeschwalbe mit ausgebreiteten Flügeln

Trauerseeschwalbe

Die Trauerseeschwalbe ist eine Verwandte der Möwen. Sie brütet in flachen Seen oder Flussauen. Den Winter verbringen sie vor der Küste Westafrikas.

Zum Steckbrief
Trauerseeschwalbe

Trauerseeschwalbe – Brutinseln als letzte Rettung

Die Trauerseeschwalbe ist in Deutschland extrem bedroht. Wir unterhalten ihre größte künstliche Brutkolonie in Mecklenburg-Vorpommern.

Zum Projekt
Trauerseeschwalbe mit Jungem auf Brutinsel

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