Specht bietet Wohnung in bester Waldlage
Bericht aus Klepelshagen: Wir kartieren die Höhlenbäume der Schwarzspechte
Der Schwarzspecht (Dryocopus martius) ist ein wichtiger Wohnungsbauer im Wald. Regelmäßig zimmert er neue Behausungen, die er meist nur für eine Sommersaison nutzt. Wenn er umzieht, überlässt er seine Höhlen anderen großen oder kleinen Tieren des Waldes. Die Nachmieter wechseln sich über viele Jahre ab. So schafft der Schwarzspecht Brut- und Ruheplätze für mehrere Generationen von Waldbewohnern. Im wildtierfreundlich bewirtschafteten Forst von Klepelshagen findet der gefiederte Zimmermann besonders viele alte Bäume für seine Bauarbeiten. Wie viele Schwarzspechthöhlen es gibt, wollen wir mit unserer Höhlenbaumkartierung herausfinden, die jetzt im Februar startet.
Auf den rund 1.100 Hektar des Klepelshagener Forsts gibt es vier Schwarzspechtreviere. Viele hundert Höhlen haben die Vögel schon in die starken Rotbuchen gezimmert. Alle vier Jahre kartieren und vermessen wir diese Bäume und markieren sie mit spezieller Forstfarbe. Die Markierung zeigt dem Förster, dass sie nicht gefällt werden dürfen und bis zu ihrem natürlichen Ende im Wald bleiben sollen. Schließlich wollen wir den Wohnraum im Wald erhalten. Wie alle Wohn- und Nistplätze von Wildtieren sind Höhlenbäume gesetzlich geschützt.
Die Kartierung der Bäume gibt uns Hinweise darauf, welchen Wert der Forst als Lebensraum hat. Denn der Schwarzspecht gilt als Zeigerart: Wo er vorkommt, ist der Wald besonders naturnah.
Wo der Schwarzspecht hämmert, wächst die Artenvielfalt
Ein Schwarzspecht legt in seinem Leben fünf bis zehn Höhlen an. Es sind echte Großraumwohnungen mit einem Eingangsdurchmesser von rund acht Zentimetern. So sind sie für die unterschiedlichsten Nachmieter interessant. Etwa 60 verschiedene Tierarten finden in Schwarzspechthöhlen Unterschlupf, darunter Hohltaube, Waldkauz und Schellente, Siebenschläfer, Eichhörnchen oder Baummarder. Auch zahlreiche Insekten wie Hornissen, Wildbienen und verschiedene Käferarten wurden in Höhlenbäumen nachgewiesen. Der Specht erfüllt durch seine Bautätigkeit also eine Schlüsselfunktion im Lebensraum Wald. Wo es genug Höhlenbäume gibt, ist die Artenvielfalt groß.
Besonders wichtig sind die Höhlen für Fledermäuse. Da die Flattertiere ihre Quartiere nicht selbst anlegen können, sind sie auf vorhandene Hohlräume und Spalten angewiesen. Die großen Höhlen des Schwarzspechts haben ein stabiles Mikroklima mit gleichbleibender Temperatur und Luftfeuchtigkeit – so bieten sie günstige Bedingungen. Fledermäuse nutzen sie als Unterschlupfe für den Tag, als Wochenstuben zur Jungenaufzucht und als Übergangsquartiere.
Putzdienst und Baumpflege inklusive
Eine Schwarzspechthöhle bietet Wohnraum für viele Generationen von Wildtieren. Dafür sorgt der Bauherr selbst. Auch wenn er nicht mehr darin brütet, hält er sein Bauwerk bewohnbar, etwa um gelegentlich darin zu schlafen. Regelmäßig bearbeitet der Specht den Eingang und erhält damit die ursprüngliche Größe. Ohne diese Pflege würde der Baum eine Überwallung um die Verletzung bilden. Der Eingang würde sich mit der Zeit wieder verkleinern und die Höhle würde für viele Tierarten unbrauchbar werden. Ebenso wichtig für die tierischen Nachmieter ist der Putzdienst des Spechts: Er entfernt regelmäßig altes Nistmaterial anderer Vogelarten.
Im kommenden Mai werden wir erfahren, wie viele Tierarten diese gut gepflegten Behausungen im Klepelshagener Forst nutzen. Dann wird eine Gruppe von Studierenden der BOKU University Wien die Bäume, die wir jetzt kartieren, näher untersuchen.