Rückkehr nach zwei Jahrhunderten

Wildkatze in Vorpommern nachgewiesen

Wildkatze

200 Jahre lang galt die Europäische Wildkatze in Mecklenburg-Vorpommern als verschollen. Nun konnte erstmals ein Exemplar dieser scheuen Art in Vorpommern genetisch nachgewiesen werden – auf unseren Stiftungsflächen bei Strasburg. Es handelt sich um das derzeit nordöstlichste bekannte Vorkommen überhaupt innerhalb ihres europäischen Verbreitungsgebiets. Bislang gab es lediglich einen genetischen Nachweis aus dem Jahr 2024 im mecklenburgischen Müritz-Nationalpark – jener Region, aus der auch die letzte historisch dokumentierte Wildkatze des Bundeslandes aus dem Jahr 1812 stammt.

Bereits vor drei Jahren hatten Wildkameras auf unseren Stiftungsflächen in Vorpommern erste verdächtige Aufnahmen geliefert. Nun gelang erstmals der genetische Nachweis: An sechs verschiedenen Standorten innerhalb eines Waldgebiets konnte eine Wildkatze nachgewiesen werden. Dieser Fund ist sensationell. Noch vor wenigen Jahren hätte kaum ein Experte erwartet, dass Wildkatzen jemals wieder so weit im Nordosten Deutschlands auftauchen würden – nur rund 50 Kilometer von der Ostsee entfernt.

Suche mit Lockstöcken und viel Geduld

Baldrian zieht Wildkatzen an

Grundlage des Nachweises war ein Monitoring im Frühjahr. Dafür wurden Haarfallen in einem systematischen Raster aufgestellt und über mehrere Wochen hinweg kontrolliert. Die mit Baldrian besprühten Lockstöcke aus Holz ziehen Wildkatzen magisch an. Beim Reiben an dem rauen Holz bleiben Haare am Stock haften, die anschließend im Labor genetisch untersucht werden. Eine Wildkatze nachzuweisen, erfordert allerdings viel Geduld. Man muss die Lebensräume der Wildkatze genau kennen, um die Lockstöcke dort zu platzieren, wo die Tiere ihre Streifzüge unternehmen. Duftende Lockstoffe wie Baldrian wirken bei Katzen nur auf geringer Distanz und nicht über Hunderte Meter weit wie etwa bei Füchsen.

Die Lockstock-Methode

Die Laborergebnisse der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Fachgebiet Naturschutzgenetik brachten nun den Beweis. Bei dem Tier in Vorpommern handelt es sich um einen Kater, der sich offenbar über mehrere Wochen auf einer Fläche von rund zwei Quadratkilometern aufhielt. Ob diese Fläche Bestandteil eines stabilen Reviers des Katers ist, ist noch nicht sicher. Die Streifgebiete männlicher Wildkatzen umfassen in der Regel 30 bis 60 Quadratkilometer. Weitere Erhebungen sollen nun zeigen, ob der Kater bereits Anschluss zu anderen Wildkatzen hat.

Wieder mehr geeignete Lebensräume

Ob die Wildkatze in Mecklenburg-Vorpommern tatsächlich ausgestorben war oder nur einzelne Tiere unentdeckt überdauert haben, ist unklar. Sicher ist jedoch: Die aktuellen Nachweise zeigen, dass die Art auch im Nordosten Deutschlands in naturnahen Wäldern wieder geeignete Lebensräume vorfindet.

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