Alpenschneehase – im Fokus
Fotofallen-Monitoring in den bayerischen Alpen
Alpenschneehasen sind Meister der Tarnung. Zweimal im Jahr wechseln sie ihre Fellfarbe: von graubraun auf weiß und wieder zurück. Es braucht also Glück, um die scheuen Tiere zu entdecken – oder die richtige Technik. Mithilfe von Fotofallen macht sich die Deutsche Wildtier Stiftung gemeinsam mit zahlreichen Partnern auf die Suche nach den seltenen Bergbewohnern. Ziel des Projekts: eine Verbreitungskarte für den Schneehasen in den bayerischen Alpen.
Der Alpenschneehase (Lepus timidus varronis) ist perfekt an das alpine Klima der Gebirgsregionen angepasst. Er kommt nur im Alpenraum ab einer Höhe von 1.300 Metern vor, wobei er sich im Winterhalbjahr auch in tiefere Lagen zurückzieht. Mit zunehmender Erwärmung und veränderten Schneebedingungen durch den Klimawandel wird es für ihn aber im wahrsten Sinne des Wortes eng. Der Farbwechsel seines Fells von graubraun auf weiß und das tatsächliche Schneevorkommen passen gerade in den niederen Lagen seines Lebensraums nicht mehr zusammen. Die Hasen sind schon weiß, wenn noch gar kein Schnee gefallen ist, und sie sind noch weiß, wenn der Schnee bereits wieder geschmolzen ist. In schneearmen Zeiten sitzt der Hase in seinem weißen Winterfell für Prädatoren dann auf dem Präsentierteller.
Schneehasen müssen somit immer häufiger in höhere Lagen ausweichen, um ihren klimatisch optimalen Lebensraum zu finden. Gleichzeitig klettern auch ihre Verwandten, der Feldhasen, am Berg immer höher, und die Verbreitungsgebiete der beiden Arten überlappen zunehmend. Dabei sind die größeren Feldhasen nicht nur Konkurrenten, die Schneehasen in Regionen mit schlechteren Nahrungsbedingungen verdrängen, sondern sie verpaaren sich auch mit ihnen und zeugen Nachwuchs. Diese Hybride werden im Alpenraum immer häufiger. Darüber hinaus werden durch den Ausbau der Skigebiete und den Trendsport Tourenski die störungsfreien Gebiete, in die sich der Alpenschneehase zurückziehen kann, immer kleiner.
Wegen seiner geringen Verbreitung und den oben beschriebenen Herausforderungen ist der Schneehase in der EU laut Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) geschützt. In Deutschland steht der Alpenschneehase daher auch unter Naturschutz und gilt laut Roter Liste der Säugetiere in Deutschland als „extrem selten“.
Der Erhaltungszustand des Alpenschneehasen wird derzeit als ungünstig-unzureichend mit stabilem Trend eingestuft (FFH-Bericht 2025), es gibt aber keine validen Zahlen zu seiner aktuellen Verbreitung oder seiner Bestandshöhe in Bayern.
Aktuelles
Um ein umfassendes Bild der aktuellen Vorkommen beider Arten zu gewinnen, erfassen wir seit Anfang 2026 die Verbreitung von Schnee- und Feldhasen in den bayerischen Alpen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Überlappung ihrer Lebensräume. Für dieses Projekt, das mindestens zwei Jahre lang laufen soll, nutzen wir unter anderem bereits installierte Fotofallen. Auch Jäger und Förster sind aufgerufen, Bilder zur Verfügung zu stellen. Auf Basis der erhobenen Daten werden wir eine Verbreitungskarte erstellen, die als fachliche Grundlage für mögliche Schutz- und Forschungsmaßnahmen dienen soll.
Methodisches Vorbild ist das etablierte Fotofallenmonitoring des Nationalparks Berchtesgaden, in dessen Rahmen bereits über 1.200 Bildnachweise von Schnee- und Feldhasen gesammelt werden konnten.
Das Projekt wird in enger Zusammenarbeit mit zahlreichen Partnern umgesetzt, darunter das Bayerische Landesamt für Umwelt, die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, die Bayerischen Staatsforsten, der Nationalpark Berchtesgaden sowie die Naturparke Nagelfluhkette e. V. und Ammergauer Alpen e. V.