Einladung zum tierischen Abendmahl

Nicht nur an Feiertagen finden Wildtiere auf dem Friedhof viel zu fressen

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Friedhöfe sind häufig echte Naturoasen. Was wir Menschen schätzen - die Ruhe, die Ungestörtheit und die meist liebevolle Grab- und Geländegestaltung - lockt immer mehr Wildtiere an. Nicht nur Wildkaninchen finden es angenehm zwischen den Gräbern. Auch Rehe, Füchse, Wildgänse oder Wildschweine statten gern einen Besuch ab. Die Folgen: meist unübersehbar!

Hamburg, 24. Oktober 2017

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Himmel, wer war denn da an den Rosen?! Es kommt häufiger vor, dass sich Angehörige ärgern, wenn sie Ihre Lieben auf dem Friedhof besuchen. Gestern noch einen frischen Strauß aufs Grab gelegt, heute sind nur noch die Stiele übrig! Wie kann das sein?

Rehe vernaschen Rosenblüten, Füchse mögen Paraffin

An Allerheiligen (1. November) und Totensonntag (26. November) gedenken die Menschen ihrer Verstorbenen. Sie besuchen die Friedhöfe und schmücken die Gräber mit frisch gebundenen Kränzen und Gestecken. Was viele Angehörige nicht ahnen: Frischer Grabschmuck ist für viele Wildtiere eine willkommene Einladung zum tierischen Abendmahl. Denn die Rehe, Füchse sowie Wildkaninchen und manchmal auch Wildschweine wissen genau, dass es auf Friedhöfen was zum Futtern gibt!
Rehe sind Stammgäste auf vielen Friedhöfen: Die Feinschmecker vernaschen mit Vorliebe frische Rosenblätter, finden aber auch getrocknete Kranz-Beeren echt lecker. Wildgänse, Wildkaninchen und Feldhasen knabbern frisches Grün. Wenn dann auch noch Wildschweine zur Geisterstunde den Friedhof besuchen, geben sie manchem Grabschmuck den Rest: Sie wühlen zwischen Kreuzen und lockerer Graberde intensiv nach Insekten. Füchse und Waschbären dagegen interessieren sich für die Essensreste der Besucher. Sie suchen in den Abfalleimern nach weggeworfenen Nahrungsmitteln. Manche Friedhofsgärtner beklagen auch, dass Füchse mit Vorliebe das Kerzenwachs der Grablichter verspeisen. Sie mögen den öligen Geschmack.

Große Friedhöfe wirken auf Wildtiere wie Naturoasen

Andreas Kinser, Jagd- und Forstreferent

Die hohe tierische Besucherfrequenz wundert einen nicht unbedingt: Denn überall sonst in der Natur wird ab November das Futter knapp. Statt im Wald mühsam nach Wurzeln zu scharren, geht man als Reh doch lieber ans frische Blumen-Buffet! Oder knabbert an den Beeren, die im Grabschmuck mit eingearbeitet sind. Da auf den meisten Friedhöfen nicht gejagt werden darf, können Wildtiere ihr tierisches Abendmahl meist ungestört einnehmen. Wer kurzfristig seine Grabpflanzen und Blumen schützen möchte, kann sie mit einem feinen Maschendrahtzaun sichern. Noch besser: Man pflanzt Blumen und Sträucher, die Rehe & Co nicht so mögen. Zum Beispiel Hortensien statt Rosen, Lavendel statt Margeriten, Flieder- statt Himbeerbusch.“ Ein Geheimtipp, der auch funktionieren soll: Wer die Rosenblüten mit Buttermilch einsprüht, hält die Rehe vom Knabbern ab. Bei Novemberwetter mit Regen allerdings eine mühsame Aufgabe, die stetig wiederholt werden muss.

Das kann abschreckend wirken

Für diese Hausmittel übernehmen wir keine Gewähr! Aber ausprobieren schadet ja nie. 5 Tipps, um Rehe und Co im Garten oder auf dem Friedhof abzuschrecken:

  • Blütenblätter von Rosen mit Buttermilch einsprühen.
  • Garten mit einer blickdichten Dornenhecke, zum Beispiel Weißdorn oder Berberitze, einzäunen.
  • Beete mit stabilem Netz aus dem Gartenfachhandel abdecken.
  • Flatterndes rot-weißes Absperrband in Beetnähe befestigen (Prinzip Vogelscheuche).
  • Im Fachhandel gibt es ein spezielles Abwehrkonzentrat, das zumindest für einen gewissen Zeitraum helfen soll.
  • Pflanzen setzen, an die Rehe in der Regel nicht gehen: Flieder, Hortensien, Knoblauch, Rosmarin ...