Zwergmaus
Akrobatischer Winzling
Bestand in Deutschland:
Bestandstrend:
Zunahme
Die Bestände nehmen zu.
Stabil
Die Bestände sind stabil.
Abnahme
Die Bestände nehmen ab.
Unbekannt
Keine Angabe zum Bestandstrend möglich.
Helfen:
Klein, kleiner, Zwergmaus
Der Name passt: Die Zwergmaus (Micromys minutus) ist die kleinste Nagetierart Deutschlands. Sie ist besonders gut an das Leben in dichten, hoch wachsenden Grasbeständen angepasst, die sie vor allem in Feuchtgebieten findet. Zwischen den dünnen Halmen klettert sie flink auf und ab und legt dort sogar ihre Nester an – mit einer besonderen Bautechnik.
Fakten
Lateinischer Name
Micromys minutus
Zwergmaus: Alter
16 bis 18 Monate, max. 4 Jahre in Gefangenschaft
Zwergmaus: Gewicht
4 bis 14 g, max. 15 g
Zu Hause in der Kugel
Das Nest der Zwergmaus ist kugelrund. Sie baut es in dichter Vegetation an senkrecht stehenden Halmen und benutzt dafür vor allem Blättern von Gräsern.
Geschickt im Halmwald
Die Zwergmaus ist eine ausgezeichnete Kletterin. Dabei setzt sie geschickt ihre Füße und ihren Schwanz ein, um nach Gras- und Schilfhalmen zu greifen und sich festzuhalten.
Nahrung
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Insekten
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Baumfrüchte
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Feldfrüchte
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Wirbellose
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Samen und Keime
Feinde
Größe in cm
ZwergmausAussehen
Von der Nasenspitze bis zum Schwanzansatz ist die Zwergmaus höchstens acht Zentimeter lang. Mit ihrem kleinen Kopf und dem schlanken Körper passt sie durch Öffnungen von nur einem Zentimeter Durchmesser. Fast genauso lang wie ihr Körper ist der Schwanz, den sie gekonnt beim Klettern zu Hilfe nimmt. Ihr Fell ist auf der Oberseite braun und auf der Bauchseite weiß.
ZwergmausIn den Farben der Saison
Die Zwergmaus wechselt ihr Fell mit den Jahreszeiten, jeweils im Frühjahr und im Herbst. Das kurze Sommerfell ist an der Oberseite ocker bis orangebraun gefärbt. Deutlich davon abgegrenzt ist die weiße Bauchseite. Im Herbst wird das Fell länger und dichter. Der Rücken ist dann grau- bis rotbraun, die Unterseite erscheint grauweiß. Die Männchen wechseln ihr Fell meist zuerst. Weibchen behalten ihr Sommerfell teilweise bis in den November, wenn sie trächtig sind oder ihre Jungen säugen. Daher können Männchen und Weibchen im Herbst unterschiedlich gefärbt sein.
ZwergmausDer Schwanz als fünfte Pfote
Die Zwergmaus bewegt sich hauptsächlich durch geschicktes Klettern fort. Wenn sie einen Halm erklimmt, setzt sie je ein Vorderbein und das gegenüberliegende Hinterbein fast gleichzeitig ein. Ihren Körper hält sie nah am Halm, die Zehen spreizt sie weit auseinander. Die fünfte Zehe der Hinterfüße ist den anderen vier gegenübergestellt. Die Maus nutzt sie wie einen Daumen, sodass sie Halme besonders gut greifen kann. Ihren langen Schwanz kann sie um Grasstängel wickeln, um sich festzuhalten, zum Beispiel wenn sie von einem Halm zum nächsten klettert.
ZwergmausLebensweise
Die typischen Lebensräume der Zwergmaus sind hohe Gras- und Schilfbestände am Rand von Gewässern oder in Feuchtgebieten. Als ausgezeichnete Kletterin hält sie sich die meiste Zeit im Dickicht hoch über dem Boden auf. Sie ist vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv. Weil sie viel Energie braucht und zwischen den Pflanzen gut Deckung findet, geht sie aber auch tagsüber auf Nahrungssuche. Sie frisst die Samen von Gräsern und Insekten, die in den Pflanzen leben. Im Winter steht fast ausschließlich tierische Kost auf dem Speiseplan.
Verhalten
Gemütlicher Tennisball
Das Nest einer Zwergmaus ist bis zu neun Zentimeter groß – etwa so groß wie ein Tennisball und genauso kugelrund. Ihre typischen Kugelnester baut die Maus meist in dichter Vegetation zwischen Gras- und Schilfhalmen in 20 bis 170 Zentimetern Höhe. Dafür fasert sie Blätter mit den Schneidezähnen auf und verflicht sie miteinander. Da sie die Blätter nicht von den Halmen abbeißt, bleiben sie grün und das Nest ist in der Vegetation gut getarnt. Das Innere polstert sie mit feinem Pflanzenmaterial weich aus. Nester, in denen die Maus schläft, sind etwas kleiner und haben zwei Eingänge. Die größeren Wurfnester, in denen sie ihren Nachwuchs aufzieht, haben nur einen Eingang. Die Mutter verschließt ihn, wenn sie die Jungen allein lässt.
Fortpflanzung
Kurzes Leben, viele Kinder
Zwergmäuse leben allein. Weibchen und Männchen kommen nur zur Paarung im Wochenstubennest zusammen. Fortpflanzungszeit ist in der Regel von März bis Oktober. Nach der Paarung vertreibt die weibliche Maus das Männchen aus dem Nest und dem umliegenden Revier. Nach einer Tragzeit von 21 Tagen kommen vier bis sieben Junge zur Welt, selten auch mehr. Bei der Geburt wiegen sie gerade mal ein Gramm, doch schon nach 15 bis 20 Tagen sind sie selbstständig. Bereits im Alter von 40 bis 50 Tagen sind sie geschlechtsreif und können sich noch im Jahr ihrer Geburt fortpflanzen. Die Weibchen haben zwei bis drei Würfe pro Jahr. Trotz ihres kurzen Lebens von höchstens anderthalb Jahren können sie also viel Nachwuchs bekommen.
Lebensraum
Versteckt im Dickicht
Die Zwergmaus ist spezialisiert auf das Leben in dichter, hoher Vegetation. Solche Gras- und Schilfbestände findet sie vor allem in feuchten Auen, in Verlandungszonen von Gewässern, an Fluss- und Grabenufern sowie in Sümpfen und Mooren. Reine Schilfflächen meidet sie, weil sie dickere Stängel nicht greifen kann. Mitunter ist sie auch auf Getreidefeldern und Brachflächen in der Nähe von Feuchtbiotopen zu finden. Im Frühjahr und Sommer bewegt sich die Zwergmaus fast ausschließlich kletternd zwischen Gräsern und Schilf. Erst im Herbst, wenn die Pflanzen absterben, kommt sie auf den Boden. Da sie nicht selbst gräbt, sucht sie sich zum Überwintern Verstecke in Erdspalten, verlassenen Höhlen anderer Tiere oder Scheunen. Von dort aus geht sie auch in der kalten Jahreszeit täglich auf Nahrungssuche.
ZwergmausBedrohungen
Auf der Roten Liste der Säugetiere Deutschlands wird die Zwergmaus in der Kategorie „Vorwarnliste“ geführt. Gefährdet ist die Art vor allem durch den menschengemachten Verlust von Lebensräumen.
Feuchtgebiete gesucht
Die Zwergmaus lebt vor allem an nassen, nährstoffarmen Standorten mit Hochstaudenfluren und dünnhalmigen Gräsern. Für die intensive Landwirtschaft werden viele solcher Feuchtgebiete trockengelegt, verbleibende Flächen werden zerstückelt. Man vermutet, dass dadurch auch die Bestände der Zwergmaus zurückgehen. Um die Art zu erhalten, müssen ihre Lebensräume geschützt werden.
ZwergmausWas wir tun
Ob Naturerbe-Gebiet oder nachhaltige Land- und Forstwirtschaft – auf unseren Stiftungsflächen in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen schaffen wir Lebensraum für viele Wildtiere, auch für die Zwergmaus.
Unsere Stiftungsflächen sind Wildtierland
Zwergmäuse brauchen strukturreiche Feuchtgebiete. Um sie zu schaffen und zu erhalten, verfolgt die Deutsche Wildtier Stiftung zwei Ansätze. Auf einigen unserer Flächen lassen wir die Natur einfach Natur sein und bewahren so dauerhaft Lebensräume für Wildtiere und -pflanzen. Andernorts zeigen wir, dass eine wildtierfreundliche Landnutzung möglich ist. Auf unserem Gut Klepelshagen in Mecklenburg-Vorpommern und weiteren Stiftungsflächen betreiben wir naturnahe Landwirtschaft und fördern Biotope wie artenreiche Feuchtwiesen.
Im Nationalen Naturerbe Rechlin erhalten und fördern wir gras- und staudenreiche Feuchtgebiete – es sind potenzielle Lebensräume für die Zwergmaus und viele andere Wildtierarten.
Foto: Deutsche Wildtier Stiftung
Wildes Moor und lebendige Äcker
Die Deutsche Wildtier Stiftung hat kein eigenes Projekt für die Zwergmaus. Doch in unserem Wildnisgebiet und auf unseren naturnah bewirtschafteten Flächen bieten wir ihr und vielen anderen Wildtieren Lebensraum. Hier erfahren Sie mehr darüber.
ZwergmausHelfen
Bitte unterstützen Sie uns dabei, Lebensräume zu sichern. So helfen Sie auch, die Zwergmaus zu schützen.