Wenn das Laub fällt

Bericht aus Klepelshagen: Die ersten Bäume werfen ihre Blätter ab – warum eigentlich?

Baumkronen mit herbstlichen Laub

Wer in diesen Tagen durch die Wälder von Gut Klepelshagen spaziert, kann zuschauen, wie der Herbst Schritt für Schritt Einzug hält: Die Blätter einer Eiche sind noch sattgrün, eine Buche leuchtet schon goldgelb, und unter manchen Birken liegt bereits eine dünne Laubschicht. Der Wald verändert sein Gesicht und bereitet sich auf die kalte Jahreszeit vor. Was bringt die Bäume dazu, ihre Blätter abzuwerfen? Und warum geschieht das bei einigen früher als bei anderen?

Bäume reagieren auf verschiedene Umweltveränderungen, die der nahende Herbst mit sich bringt. Eine wichtige Rolle spielt die abnehmende Tageslänge: Sie ist für viele Baumarten ein verlässliches Signal für den Wechsel der Jahreszeit. Mit lichtempfindlichen Zellen registrieren sie, dass die Tage kürzer und die Nächte länger werden. Daneben spielen Temperatur und Wasserverfügbarkeit eine Rolle. Die verschiedenen Baumarten reagieren unterschiedlich auf diese Signale. Deshalb beginnen Verfärbung und Blätterfall nicht zur gleichen Zeit – das ist auch in Klepelshagen zu beobachten.

Blätter auf Diät

Der Baum holt Nährstoffe zurück

Bevor ein Blatt fällt, holt der Baum einen Teil der Nährstoffe zurück und transportiert sie in andere Pflanzenteile, wie Rinde, Knospen, Triebe, Stamm und Wurzeln. Dort speichert er sie bis zum Frühjahr. Das Chlorophyll, das den Blättern ihre grüne Farbe verleiht, wird abgebaut. Dadurch werden andere Farbstoffe sichtbar, die während des Sommers vom Grün überlagert waren. Carotine zum Beispiel sorgen für gelb-orange Farbtöne, durch Xanthophylle erscheinen Blätter gelb. Manche Baumarten bilden im Herbst zusätzlich Anthocyane, die Blätter rot bis violett färben. So entsteht das typische Farbenspiel des Herbstes.

Wenn der Baum die wertvollen Nährstoffe weitgehend zurückgewonnen hat, bereitet er das Blatt auf den endgültigen Abschied vor. An der Basis des Blattstiels befindet sich eine Trennzone. Im Herbst werden dort die Verbindungen zwischen den Zellen abgebaut, sodass sich das Blatt vom Zweig löst. Gleichzeitig beginnt der Baum, die Wundfläche mit einer schützendem Gewebeschicht abzudichten. Sie verhindert, dass das Pflanzeninnere austrocknet oder Krankheitserreger eindringen.

Wasser sparen im Winter

Weniger Blätter, weniger Verdunstung

Der Blätterfall bewahrt den Baum in der kalten Jahreszeit vor zu großem Wasserverlust. Bei sehr niedrigen Temperaturen oder Frost im Boden können die Wurzeln nur noch wenig Wasser aufnehmen. Die Blätter würden aber weiterhin Feuchtigkeit an die Luft abgeben. Indem der Baum sie abwirft, verringert er seine Verdunstungsfläche und verbessert seine Wasserbilanz.

Auch andere winterliche Herausforderungen kann der Baum ohne Blätter besser meistern. Eine kahle Krone bietet dem Wind weniger Angriffsfläche, und auf den Ästen kann sich nicht so viel schwerer, nasser Schnee sammeln. Der Blätterfall markiert deshalb nicht einfach das Ende der Vegetationszeit, sondern ist eine wichtige Anpassung an den Winter. Ganz nebenbei wird der Baum auf diese Weise Blätter los, die zum Beispiel durch Pilzbefall geschädigt sind.

Trotz dieser Vorteile behalten manche Bäume ihre abgestorbenen Blätter allerdings bis zum Frühjahr. Diese sogenannte Marzeszenz ist zum Beispiel bei jungen Rotbuchen und Hainbuchenhecken zu beobachten. Die Gründe dafür sind wissenschaftlich noch nicht geklärt.

Laubwechsel hier und anderswo

Das Klima macht den Unterschied

Längst nicht alle Bäume auf der Welt werfen ihr gesamtes Laub zu einer bestimmten Jahreszeit ab. Der herbstliche Blätterfall ist eine Anpassung an die wechselnden Umweltbedingungen der gemäßigten Klimazone. Ganz anders machen es zum Beispiel die Bäume in den immerfeuchten tropischen Regenwäldern, wo es keine ausgeprägte kalte Jahreszeit und immer genug Wasser, Wärme und Licht gibt: Sie ersetzen ihr Laub nach und nach – einzelne Blätter fallen und gleichzeitig entstehen neue. Dadurch bleibt der Wald dauerhaft grün.

Blätter einer Buche im Jahresverlauf

Leben im toten Laub

Blätter sind wertvoll für den Waldboden

Die abgefallenen Blätter erfüllen im Wald wichtige Funktionen. Die herbstliche Laubschicht schützt den Waldboden vor Austrocknung und starken Temperaturschwankungen. Sie bremst den Aufprall des Regens und verringert so die Erosion. Und sie ist ein wertvoller Lebensraum: Zwischen und unter den Blättern tummeln sich Regenwürmer, Asseln, Springschwänze und viele andere Tiere.

Das Laub wird nach und nach zersetzt. Dafür sorgen neben kleinen Tieren vor allem Pilze und Bakterien. Sie machen einen Teil der in den abgestorbenen Blättern enthaltenen Nährstoffe wieder für Pflanzen verfügbar. So gelangen Stoffe, die der Baum im Frühjahr und Sommer aufgenommen hat, zurück in die Erde. Aus dem Laub vergangener Jahre entsteht neue organische Substanz,die zum Aufbau und zur Fruchtbarkeit des Bodens beiträgt. Dieser Kreislauf ist ein wichtiger Teil des Ökosystems Wald – gerade in unserem naturnahen Forst auf Gut Klepelshagen.

Herbstlaub als Dünger und Lebensraum

Blattgold für den Garten

Abgestorbenes Laub ist nicht nur im Wald, sondern auch im Garten wertvoll. Nicht jede Fläche muss im Herbst vollständig von Laub befreit werden: Unter Sträuchern, Hecken und Bäumen können die Blätter einfach liegen bleiben. Sie schützen den Boden, bieten Bodenorganismen Lebensraum und werden im Lauf der Zeit zu Humus.

Auf Rasenflächen, auf Wegen oder dort, wo eine dichte Laubschicht Pflanzen beeinträchtigen könnte, sollten Gärtnerinnen und Gärtner die Blätter aufsammeln. Das Laub muss aber nicht in die Biotonne oder auf den Kompost: Es kann zusätzlich unter Hecken und Sträuchern verteilt werden. Wer die Blätter an einem geschützten Ort zum Haufen aufschichtet und bis zum Frühjahr liegen lässt, schafft ein Winterquartier für Igel, Amphibien und Insekten.

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