Huckepack in den Frühling – die Krötenwanderung beginnt

Der einheimische Lurch ist ein toller Nützling, er verspeist sogar Nacktschnecken

Erdkröten (Bufo bufo)

Erst Eis und Frost, jetzt dauerhaft Regen und milde Temperaturen – was für ein Krötenwetter! Sobald das Thermometer nachts mindestens etwa fünf Grad anzeigt und der Boden feucht ist, beginnt in der Natur ein beeindruckendes Schauspiel: Tausende Erdkröten verlassen ihre Winterquartiere und machen sich auf den Weg zu ihren angestammten Laichgewässern. Nur späte Frosteinbrüche führen zur Unterbrechung der Wanderungen; die Tiere graben sich dann an Ort und Stelle ein und verharren in der Erde, bis die Wetterbedingungen eine Fortsetzung der Wanderung zulassen.

Ein besonderes Merkmal der Krötenwanderung ist die Fortbewegung im Huckepack-Verfahren: Oft treffen die Weibchen bereits auf dem Weg zu den Gewässern auf ihre männlichen Artgenossen. Diese klettern unverzüglich auf den Rücken der größeren Weibchen und lassen sich den Rest der Strecke tragen. Am Ziel angekommen, beginnt der Fortpflanzungsprozess, bei dem die Weibchen meterlange Laichschnüre mit bis zu 4.000 Eiern im Wasser ablegen. Aus diesen schlüpfen nach zwei bis vier Wochen die Kaulquappen, die im Juli als etwa zehn Millimeter kleine Jungkröten das Wasser verlassen.

Für den Menschen, insbesondere für Gärtner, ist die Erdkröte ein wertvoller Verbündeter. Auf ihrem nächtlichen Speiseplan stehen neben Käfern, Spinnen, Asseln und Fliegen auch Nacktschnecken und deren Eier. Wer Erdkröten helfen möchte, sollte geschützte Plätze wie Holz- und Reisighaufen, Laubstreu und große Steine im Garten erhalten. Dort finden die Amphibien tagsüber den nötigen Rückzugsort, um nachts auf Jagd zu gehen.

In der Theorie können Erdkröten bis zu zwölf Jahre alt werden – in der Praxis erreichen sie dieses Alter kaum. Die Bestände gehen immer weiter zurück. Hauptgründe dafür sind der Verlust feuchter Lebensräume durch fortwährende Entwässerung und den Klimawandel – und in der aktuellen Zeit vor allem der Straßenverkehr. Auf dem Weg zu ihren Laichplätzen überqueren die Kröten Straßen – und werden dabei nicht nur überrollt, sondern sterben oft auch durch den enormen Luftdruck der Fahrzeuge, der beim schnellen Vorbeifahren ihre inneren Organe zerreißen kann. Tempo 30 schützt sie. Darum sollten Auto-, aber auch Motorradfahrer oder E-Biker achtsam fahren.

Wer zu Fuß unterwegs ist und eine Kröte auf der Straße sieht, sollte sie sicher auf die rettende andere Seite tragen und dort weiter wandern lassen. Bitte anschließend die Hände waschen – Erdkröten können bei Stress über ihre Ohrdrüsen ein Schutzsekret absondern, das empfindliche Schleimhäute reizen kann.

Filmtipp: „Risky Routes“

Werfen Sie hier einen Blick in den Kurzfilm Risky Routes von Jonas Steiner, einem der Preisträger der diesjährigen European Wildlife Film Awards. Der Film dokumentiert eindrucksvoll die gefahrvolle Wanderung einer Erdkröte zu ihrem Laichgewässer.

Erdkrötenpaar (Bufo bufo)

Achtung, Amphibien wandern bundesweit!

Acht Grad tagsüber und leichter Regen in der Nacht – das ist echtes Krötenwetter. Viele Hundert Amphibienschützer in ganz Deutschland stehen jetzt bereit, um ihre Schützlinge sicher über Straßen zu geleiten. Vor allem nachts ist das gefährlich.

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Die junge Erdkröte (Bufo bufo) ist kaum so groß wie ein Finger.

Der Krötennachwuchs ist da

Sie sind kaum größer als ein 50-Cent-Stück und perfekt getarnt: Kleine Erdkröten verlassen ihre Gewässer. 2-4 Monate hat es gedauert, bis aus einem Ei eine Kaulquappe geschlüpft ist und diese sich zur fertigen, noch sehr kleinen Kröte entwickelt hat.

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