Lebensraumschutz für Waldfledermäuse in Mecklenburg-Vorpommern

Erfolgreiche Vernetzungsveranstaltung mit Flächeneigentümern und Waldbewirtschaftenden

header_v4_bechsteinfledermaus_foto-dietmar-nill

Weil sie auf strukturreiche Wälder mit alten Bäumen und einem hohen Insektenreichtum angewiesen sind, gelten Waldfledermäuse als Schirmarten im Artenschutz: Schutzmaßnahmen für sie kommen auch zahlreichen weiteren Arten zugute. Ein neues, deutschlandweites Verbundprojekt zahlt genau darauf ein.

Das Projekt „Lebensraumschutz für windkraftsensible Waldfledermäuse“ wird im Rahmen des Nationalen Artenhilfsprogramms (nAHP) in elf Bundesländern umgesetzt, die Deutsche Wildtier Stiftung ist die Länderpartnerin für Mecklenburg-Vorpommern. Das große Ziel des Schutzprojekts ist es, die Lebensraumqualität von Waldfledermausarten zu verbessern. Denn der Lebensraum vor allem waldgebundener Fledermausarten schwindet. Immer häufiger werden in Wäldern Windenergieanlagen errichtet, durch die nicht nur ganz konkret Wald als Lebensraum verloren geht, sondern durch deren Betrieb Fledermäuse auch mit Rotorblättern kollidieren oder dem sogenannten Barotrauma zum Opfer fallen – dem Tod durch schwere Verletzungen innerer Organe, insbesondere der Lunge, die bei Fledermäusen durch starke Druckunterschiede in der Nähe von sich drehenden Windkraftrotoren entstehen können. Im Fokus des neuen Projekts stehen daher Charakterarten für Naturwälder und naturnah bewirtschaftete Wälder – Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus) und Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii) –, sowie die besonders kollisionsgefährdeten Arten Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii) und Kleiner Abendsegler (Nyctalus leisleri).

Vier Arten im Fokus

Austausch mit Flächeneigentümern

Erfolgreiche Vernetzungsveranstaltung

Anfang Oktober 2026 haben wir zum Auftakt des Projekts Flächeneigentümer und Waldbewirtschaftende in Mecklenburg-Vorpommern zu einer ersten Vernetzungsveranstaltung in das Müritzeum in Waren eingeladen. Der Fledermausexperte Dr. Markus Dietz vom Institut für Tierökologie und Naturbildung führte in das Thema ein. Er berichtete über die faszinierende Biologie der Waldfledermäuse, erläuterte unterschiedliche Erfassungsmethoden und schlug konkrete Schutzmaßnahmen in Wäldern vor. Dazu zählt zum Beispiel, struktur- und artenreiche Innen- und Außenränder von Wäldern zu schaffen. Ein weiteres Ziel ist, Habitatbäume, die als Quartier- und Koloniebäume dienen oder in Zukunft dafür infrage kommen, langfristig zu sichern. Und auch die Ausweisung von Waldrefugien, in denen keine Bewirtschaftung mehr stattfindet, gehört dazu.

Kartierungen und Schutzmaßnahmen können nur in einer engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit den Waldbesitzenden und -bewirtschaftenden umgesetzt werden. Das Interesse der 14 Teilnehmer an der Veranstaltung aus den Bereichen Landes-, Privat- und Kommunalwald und der rege Austausch nach den Vorträgen waren ein sehr guter Auftakt für das neue Projekt in Mecklenburg-Vorpommern.

Über das Projekt

„Lebensraumschutz für windkraftsensible Waldfledermäuse“ ist ein auf fünf Jahre ausgelegtes Schutzprojekt im Rahmen des Nationalen Artenhilfsprogramms (nAHP), das durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert wird. Neben der Deutschen Wildtier Stiftung sind neun weitere Partner an dem Verbundprojekt beteiligt: Naturstiftung David, NABU Niedersachsen, NABU Baden-Württemberg, NABU Nordrhein-Westfalen, Stiftung FLEDERMAUS, Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern, Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt, Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz, Universität Greifswald.

Fledermäuse gehören zu den faszinierendsten Säugetieren, aber auch zu denjenigen in unserer Natur- und Kulturlandschaft, die am gefährdetsten sind. Von den 25 bekannten Fledermausarten in Deutschland stuft die Rote Liste des Bundesamts für Naturschutz nur fünf Arten als ungefährdet ein.

Fledermäuse – Gefährdete Jäger der Nacht

Fledermäuse sind besonders faszinierende Säugetiere. Und sie brauchen besonderen Schutz. Die Deutsche Wildtier Stiftung erforscht die lautlosen Jäger der Nacht und entwickelt Konzepte für eine fledermausfreundliche Land- und Forstwirtschaft.

Zum Projekt
header_fransenfledermaus_florian-gloza-rausch

Wie bestimmt man Fledermäuse?

Sie fliegen mit den Händen und sehen mit den Ohren: Fledermäuse sind faszinierende Tiere. Die Fledermausexpertin Julia-Marie Battermann gibt Tipps, wie auch Laien die fliegenden Säugetiere beobachten können.

Zum Artikel
Verhaltensbiologin Dr. Ahana Aurora Fernandez bei der Feldarbeit

Wie unterhalten sich eigentlich Fledermäuse?

Fledermäuse führen ein erstaunlich komplexes Sozialleben – und das vor allem über ihre Stimme. Wie ihnen das gelingt, möchte die Verhaltensbiologin Dr. Ahana Aurora Fernandez herausfinden.

Zum Artikel