Rothirsch-Lebensräume vernetzen und biologische Vielfalt stärken

Deutsche Wildtier Stiftung fordert neue Trittstein-Vorkommen für das Tier des Jahres 2026

Vorstand Klaus Hackländer begrüßt zum 12. Rotwildsymposium in Hamburg

Das Tier des Jahres 2026, der Rothirsch, lebt auf etwa 25 Prozent der Fläche Deutschlands – Rehe und Wildschweine kommen dagegen auf fast der gesamten Bundesfläche vor. Der Grund für die deutlich geringere Verbreitung sind dabei nicht die speziellen Lebensraumbedürfnisse des Rothirschs, sondern Gesetze und Verordnungen. Sie legen vor allem in den südlichen Bundesländern sogenannte Rotwildbezirke fest. Ausschließlich dort wird der Rothirsch geduldet. Die Folgen dieser Politik und Lösungsvorschläge wurden auf dem 12. Rotwildsymposium in Hamburg diskutiert.

„Reviere außerhalb der Rotwildbezirke sind rotwildfrei zu machen und zu halten“, heißt es zum Beispiel in der Ausführungsverordnung des Bayerischen Jagdgesetzes. In Bayern darf der Rothirsch nur auf auf 14 Prozent der Landesfläche leben. Das Ergebnis dieser rückwärtsgewandten Politik hat jüngst eine Studie der TU München belegt: Die Rothirsch-Vorkommen im Landesinneren Bayerns zeigen bereits deutliche Anzeichen genetischer Verarmung und Inzucht.

Die Deutsche Wildtier Stiftung fordert nun neue Trittstein-Vorkommen für den Rothirsch – das ist ein Ergebnis des 12. Rotwildsymposiums, das wir Mitte Juni 2026 in Hamburg ausgerichtet haben. Neben Grünbrücken und Wanderkorridoren braucht es neue Vorkommen, um die bestehenden Rothirsch-Lebensräume besser miteinander zu vernetzen. Schon kleine Trittstein-Vorkommen – etwa auf Liegenschaften der öffentlichen Hand – könnten den genetischen Austausch zwischen den Teilpopulationen sichern und damit den langfristigen Bestand der Art in Deutschland stärken.

Bei den Referentinnen und Referenten des Rotwildsymposiums herrschte Einigkeit darüber, dass Rothirsche eine große Bedeutung für viele Prozesse des Ökosystems haben. Zum Beispiel verbreiten die Tiere Pflanzensamen über viele Kilometer und dienen selbst unzähligen anderen Tierarten als Nahrung – vom Aaskäfer bis zum Wolf. Doch statt die ökologischen Funktionen des Rothirschs anzuerkennen, sehen viele Landnutzer von Wald und Flur oft nur das Risiko von Wildschäden durch einen großen Pflanzenfresser. Deshalb ist die Verbreitung der Art in Deutschland so stark eingeschränkt, obwohl ausreichend potenzielle Lebensräume vorhanden wären. Der Mensch muss nur zulassen, dass der Rothirsch sie wieder besiedeln darf.

Impressionen vom 12. Rotwildsymposium

Das 12. Rotwildsymposium fand vom 18. bis zum 20. Juni in unserer Botschaft der Wildtiere in der Hamburger HafenCity statt. Zu Gast waren 150 Fachleute aus den Bereichen Wissenschaft, Politik, Verwaltung, Justiz, Jagd und Großschutzgebiete. Den Abschluss der Tagung bildete eine Exkursion in die Projektregion „MoorRotwildnis“ der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein in der Eider-Treene-Sorge-Niederung.

Exkursion zum Abschluss des 12. Rotwildsymposiums führte in die Projektregion „MoorRotwildnis“  

Das 12. Rotwildsymposium wurde unterstützt von Frankonia und der Bethmann Bank. Die Getränke für die Veranstaltung hat Vilsa zur Verfügung gestellt. Den Sponsoren gilt unser herzlicher Dank.

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