Die Flucht ins neue Jahr

Laut, hell und erschütternd – die Silvesterknallerei lässt jedes Jahr viele Wildtiere leiden

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Kürzlich veröffentlichte das statistische Bundesamt Zahlen, die Artenschützer aufhorchen ließen. Demnach wurden in den ersten neun Monaten des Jahres über 42.000 Tonnen Feuerwerkskörper nach Deutschland importiert – knapp 63 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und mehr als je zuvor seit Beginn der Erhebung im Jahr 2001. Die Zahlen deuten darauf hin, dass es einen besonders lauten Jahreswechsel geben wird, mit den entsprechenden Auswirkungen auf wildlebende Tiere.

Während Böllerfreunde es krachen lassen, leiden die Wildtiere – allen voran Vögel in der Stadt wie Enten, Gänse, Tauben, Möwen sowie Raben- und Singvögel. Sie werden unvermittelt aufgeschreckt, während sie wie die meisten Wildtiere gerade im winterlichen Ruhemodus sind. Das unerwartete Pfeifen, Zischen und Blitzen von Raketen, der ohrenbetäubende Krach von Böllern sowie die teils spürbaren Druckwellen versetzen die Vögel in Panik. Um der Bedrohung zu entkommen, steigen sie in große Höhen auf und fliegen teils kilometerweit umher. Oft kehren sie auch erst Tage später an ihren angestammten Platz zurück. Das kostet die Vögel sehr viel Kraft, die sie bis zum Ende der nahrungsarmen Jahreszeit dringend brauchen. Auf ihrer hektischen Flucht fliegen sie häufig auch gegen Gebäude, Bäume oder Stromleitungen – viele sterben dabei.

Im Winterschlaf gestört

Auch Säugetiere betroffen

Auch Säugetiere sind gefährdet: Jedes Aufschrecken kann lebensbedrohlich sein, wenn sie in Städten über Straßen flüchten. Füchse, die nachts in Siedlungen auf der Suche nach Nahrung sind, kehren unter Umständen nicht in ihr gewohntes Versteck zurück, sondern suchen Zuflucht in Gärten und Garagen. Igel und Bilche wie die Haselmaus oder der Gartenschläfer liegen zwar im Winterschlaf, aber störanfällig sind sie trotzdem. Die Erfahrung zeigt, dass starker Lärm und Vibrationen ihre Winterschlafphasen stören können.

Fledermäuse durch Böller gefährdet

Das ist bei Fledermäusen anders – sie stört der Krach in ihren Höhlen, Tunneln und alten Gemäuern in der Regel weniger. Gefährlich wird es für sie aber, wenn Menschen Böller in Tunnel werfen, in denen sie ihren Winterschlaf halten. Der Lärm und die Rauchgase, die sich dann bilden, können zum Aufwachen der Tiere führen.

Natürlich ist es am naturverträglichsten, wenn man die Knallerei ganz sein lässt – das schont die Ohren von Tier und Mensch und vermeidet zudem Müll und andere Belastungen für die Umwelt. Wenn geböllert wird, sollten Gärten, Parks und Gewässer inklusive der Uferbereiche tabu sein. Für Feuerwerk eignen sich große, versiegelte Flächen, auf denen sich nur selten Wildtiere ansiedeln. Der Jahreswechsel soll gefeiert werden – aber nicht auf Kosten der Wildtiere.

Ein Baum mit Lichterketten und ein Kirchturm bei Nacht im Münsterland

Nachts funkeln die Lichterketten statt der Sterne

Straßenbeleuchtung, angestrahlte Gebäude und Plätze: Der nächtliche Sternenhimmel ist oft nicht mehr zu sehen. In der Adventszeit verschärft sich diese Lichtverschmutzung noch einmal. Was festlich wirkt, gefährdet zahlreiche Wildtierarten.

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Zwischenstopp im Dickicht

Wie wichtig sind Hecken als Rasthabitat und Rückzugsraum für Kleinvögel auf dem jetzt beginnenden Vogelzug? In einem neuen Beringungsprojekt soll die Bedeutung von Heckenstrukturen auf den Kleinvogelzug erforscht werden.

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Kiebitz

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