Zeig mir deinen Schnabel und ich sage dir, was du frisst

Wer bei Vögeln genauer hinschaut, weiß sofort, was auf ihrem Speiseplan steht

Kohlmeise auf Zweig

Beobachtungen am Futterhaus, im Garten oder im Park bringen Spaß und lohnen sich: Denn wer sich die Schnäbel der heimischen Vögel anschaut, kann blitzschnell zum Experten werden.

Hamburg, 20. Januar 2017

Vögel, die bei uns überwintern, können am Futterhaus oder beim Spaziergang gut beobachtet werden. „Achten Sie einmal auf die Schnäbel: Sie verraten, was Vögel fressen“, sagt Peer Cyriacks, Ornithologe der Deutschen Wildtier Stiftung. Die Natur hat jedem Vogel das passende „Werkzeug“ für die Nahrungsaufnahme mitgegeben. „Körnerfresser haben beispielsweise einen anders geformten Schnabel als Insektenfresser oder Wasservögel.“

Pinzetten-Schnabel

Pinzetten-Schnäbel gehören Weichfressern. Rotkehlchen, Drosseln, Stare, Zaunkönige, Heckenbraunellen, Kleiber, Baumläufer und Spechte gehören dazu. „Typisch ist der längliche, spitz zulaufende, schmale Schnabel“, erläutert Peer Cyriacks. Der Schnabel übernimmt in gewisser Weise die Funktion einer Pinzette. Damit können die Vögel getrocknete Beeren und Rosinen, Apfelstückchen oder Mehlwürmer aufspießen und verspeisen.

Kompakt-Schnabel

Kompakt-Schnäbel knacken Körner. Buch- und Grünfink, Kernbeißer, Zeisig, Stieglitze, Meisen, Gimpel und Spatzen sind mit ihren Schnäbeln dazu in der Lage. „Der Schnabel ist klein, kräftig und kompakt. Er arbeitet fast wie ein Nussknacker“, so Cyriacks. Sonnenblumenkerne, Hanfsamen, Mohn, Leinsamen, Buchweizen und Haferflocken werden von Körnerfressern ohne Probleme zerteilt.

Löffel-Schnabel

Löffel-Schnäbel gehören Wasservögeln. Die breiten, vorne abgerundeten Schnäbel eignen sich perfekt zum Gründeln. Enten und Schwäne suchen damit den Teich oft bis zum Boden ab. Der Schnabel wird zum „Löffel“, der Wasserinsekten und Grünpflanzen absammelt. Insekten und Pflanzen bleiben im Schnabel hängen, werden verspeist.

Säge-Schnabel

Eine Besonderheit sind die Säger: Diese Entenähnlichen Vögel haben sich auf den Fischfang spezialisiert und seitlich gesägte Schnäbel, die den schlüpfrigen Fisch besonders gut packen können.

Haken-Schnabel

Haken-Schnäbel gehören Greifvögeln und Eulen. Sie sind darauf angewiesen, festes Fleisch zerschneiden zu können. Mit scharfen Schnabelkanten und dem gebogenen Haken können sie die Beute, etwa Mäuse und Kleinvögel töten und grob zerteilen.

Allesfresser-Schnabel

Allesfresser-Schnäbel sind kräftig und kantig. Der Eichelhäher besitzt so einen robusten Allround-Schnabel, aber auch Dohlen und Elstern haben ein Multifunktions-Werkzeug, um tierische und pflanzliche Kost zu vertilgen. Sie knacken mit dem Schnabel Eicheln, Haselnüsse und Bucheckern genauso geschickt, wie sie Abfälle verschlingen oder Würmer zerteilen.

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