Hast du ’nen Vogel?

Birding-Trend: Tipps für Einsteiger

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Dass Vogelbeobachtung nur etwas für Nerds mit beiger Funktionskleidung sei, war lange ein weit verbreitetes Vorurteil – und sicherlich nicht ganz grundlos in der Welt. Aber derzeit ändert sich das Bild der Menschen, die in den Himmel starren. Birding heißt das Hobby nun, und es ist ein echter Trend geworden, auch und gerade unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Sie teilen ihre Beobachtungen auf ihren Social-Media-Kanälen, treffen sich im Morgengrauen in städtischen Parks und organisieren „Ornicamps“.

Birding ist eine gleichzeitig spannende wie entspannende Möglichkeit, die Natur zu beobachten. Und wer ein paar Dinge beachtet, kann schnell Einblicke in die Welt der gefiederten Arten erhaschen. Leonie Kütemeyer, Naturbildungspädagogin bei der Deutschen Wildtier Stiftung, ist Expertin für Vogelbeobachtungen und gibt Tipps, wie der Einstieg in das faszinierende Hobby rasch gelingt.

Zur richtigen Uhrzeit am richtigen Ort sein

Timing

Wenn man mit offenen Augen und Ohren durch die Landschaft geht, begegnen einem Vögel fast überall – Rabenkrähen, Spatzen und Tauben in der Stadt, Silbermöwen am Strand oder ein Mäusebussard über einem Feld. Manche Birder picken sich bestimmte Vogelarten heraus, die sie kennenlernen wollen, andere schauen einfach, was in ihrer Umgebung alles fliegt. Die beste Zeit für Vogelbeobachtungen sind die frühen Morgen- und Abendstunden: Kurz vor Sonnenaufgang und Sonnenuntergang sind die meisten Vögel aktiv. Eulen und Käuze sieht und hört man besser unter dem Sternenhimmel. Chancen auf spannende Entdeckungen bieten viele Orte: Ideal sind Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete, denn dort gibt es oft Aussichtsplattformen mit Blick auf besonders interessante Areale wie Sammelplätze oder Brutgebiete. Aber auch in Städten können Vogelfans schöne Beobachtungen machen, etwa auf Friedhöfen, in Kleingärten, in Parks oder auf alten Industriebrachen.

Ein Fernglas mitnehmen

Fernglas

Wer Vögel bestimmen möchte, braucht ein Fernglas. Wie sieht beispielsweise der Schnabel aus? Ist er lang und pinzettenförmig wie bei der Amsel und anderen Singvögeln, die mit seiner Hilfe Würmer und Larven geschickt aus dem Boden ziehen? Oder ist es der kompakte, kräftige Schnabel von Körnerknackern wie dem Kernbeißer? Greifvögel besitzen hakenartige Schnäbel, um ihre Beute töten und zerkleinern zu können. Wer solche Charakteristika entdecken möchte, ist mit einem 8x42-Fernglas gut beraten: achtfache Bildvergrößerung, 42 Millimeter Durchmesser der Frontlinse. Je größer die Linse ist, desto mehr Licht fängt das Glas ein und desto besser ist es für Beobachtungen auch bei schlechten Lichtverhältnissen geeignet. Üblich sind in der Vogelbeobachtung acht- oder zehnfache Vergrößerungen mit Objektivdurchmessern zwischen 30 und 42 Millimetern.

Bestimmungshilfen nutzen

Literatur

Auch ein gutes Bestimmungsbuch gehört zur Grundausstattung. Empfehlenswert ist ein Vogelführer, der die Vogelarten Europas und angrenzender Regionen mit detaillierten Illustrationen in verschiedenen Kleidern zeigt – Sommer- und Wintergefieder, Jugendkleid und die Färbungen beider Geschlechter. Wer lieber digital unterwegs ist, findet in Bestimmungs-Apps nützliche Helfer zur Bestimmung per Aufnahme des Gesangs, per Foto oder mithilfe eines Bestimmungsschlüssels.

Richtige Kleidung und angemessenes Verhalten

Ausstattung

Manche Vögel lassen sich bequem von der heimischen Terrasse aus beobachten. Schöner ist es aber, raus in die Natur zu gehen, auf eine Wiese oder in einen Wald. Dafür braucht es robuste und praktische Kleidung. Taschen bieten Platz für ein Mücken- und Zeckenspray sowie ein Notizbuch, in dem besondere Beobachtungen – ein seltener Durchzügler etwa – mit Ort und Datum notiert werden können. Für einen längeren Ausflug lohnt es sich, etwas Proviant einzupacken. Wer Vögel beobachten möchte, sollte sich ruhig verhalten. Langsame, bedächtige Bewegungen sind wichtig: Vögel reagieren empfindlich auf plötzliche Gesten oder laute Geräusche. Also lieber an einer Hecke oder am Waldrand still stehen oder sitzen, statt umherzulaufen. Und natürlich gilt: Auf den Wegen bleiben.

Beobachtungen teilen – auch im Dienst der Wissenschaft

Dokumentation

Wer seine Beobachtungen dokumentieren und gleichzeitig etwas für die Wissenschaft tun möchte, kann sie auf Internetplattformen wie ornitho.de oder der App NaturaList melden. Der Dachverband Deutscher Avifaunisten, ein Partner der Deutschen Wildtier Stiftung, bündelt die Daten für wissenschaftliche Auswertungen und den Artenschutz. Auch Fotos lassen sich auf den Plattformen einstellen. In Online-Foren tauschen sich Vogelkundler aus und finden Gleichgesinnte. Viele Naturschutzorganisationen bieten Exkursionen an. Erfahrene Begleiter zeigen nicht nur, wo und wie man schaut, sondern helfen auch dabei, Vogelstimmen zu erkennen – eine Fähigkeit, die das Erlebnis Birdwatching enorm bereichert. Auch die Botschaft der Wildtiere in Hamburg stellt viele heimische Vögel vor. Die Erlebniswelt mit einer interaktiven Dauerausstellung bietet viel spannendes Wissen über die Natur – die beste Grundlage, um anschließend draußen auf eigene Faust auf Erkundungstour zu gehen.

Verhaltensregeln im Feld

  • Bleiben Sie auf ausgewiesenen Wegen.

  • Gehen Sie nicht zu nah an die Vögel heran, um sie nicht zu stören.

  • Halten Sie sich vor allem von Nestern fern. Störungen können dazu führen, dass die Elternvögel die Brut verlassen. Eier oder Jungvögel kühlen dann aus.

  • Verfolgen Sie Vögel nicht – etwa um bessere Fotos oder Beobachtungen zu machen.

  • Versuchen Sie nicht, Vögel mit Tonaufnahmen anzulocken. Das kann Revierverhalten auslösen, Stress verursachen und die Brutpflege stören.

Wird oft verwechselt: Die komplett schwarze Rabenkrähe (Corvus corone) halten viele im ersten Moment für einen Raben. Die Krähe ist aber deutlich kleiner und kommt viel häufiger vor.

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