Gut gemeint, aber wirkungslos

Schwarze Greifvogel-Aufkleber auf Fensterscheiben retten keine Vögel

Seemöwe am Fenster

Ein schwungvoller Anflug, ein dumpfer Schlag gegen Glas – und ein Vogelleben ist passé. Im Juni lernen die Jungvögel fliegen. Sie sind noch ungeschickt und unerfahren. Für sie, aber auch für ausgewachsene Vögel, sollten Fenster, Terrassentüren und Ähnliches ausreichend markiert sein, damit die Tiere das Glas als Hindernis erkennen.

Dass Vögel die durchsichtigen Hindernisse erst bemerken, wenn es zu spät ist, hat mehrere Gründe: Da sind zum einen die Augen, die bei den meisten Vögeln eher seitlich am Kopf sitzen und so das räumliche Sehen erschweren. Zum anderen ist bei Fluggeschwindigkeiten von etwa 30 bis 60 Stundenkilometern ein Ausweichen oft nicht mehr rechtzeitig möglich. Hochrechnungen zufolge sterben in Deutschland jedes Jahr bis zu 100 Millionen Vögel an Glasscheiben von Gebäuden, Lärmschutzwänden oder Wintergärten. Das entspricht fünf bis zehn Prozent des gesamten Vogelbestands. Spiegelungen auf den Glasflächen gaukeln den Vögeln Bäume, Wolken und den Himmel vor und werden so zur tödlichen Gefahr. Allein bei Einfamilien- und Doppelhäusern gehen Experten im Schnitt von ein bis zwei tödlichen Kollisionen pro Haus und Jahr aus. Deutlich mehr sind es an hohen Bürogebäuden.

Was hilft und was nicht?

Doch was tun, um den Vogeltod zu vermeiden? Gut gemeint, aber wirkungslos sind die schwarzen Greifvogel-Aufkleber, die oft zur Abschreckung an Fensterscheiben angebracht werden: Kleine Singvögel nehmen das Bild zwar als Hindernis wahr, aber drumherum sehen sie immer noch Lücken zum Vorbeifliegen. Von UV-Stiften – den sogenannten Birdpens – oder einfacher UV-Folie raten wir ebenfalls ab, weil deren Wirkung nicht ausreichend ist. Stattdessen empfehlen wir selbstklebende Vogelschutzfolie, die mit vielen kleinen Punkten bedruckt ist: Ist eine Scheibe mit einem Raster aus neun Millimeter großen Punkten im Abstand von jeweils neun Zentimetern versehen, sinkt die Zahl der tödlichen Kollisionen nachweislich um bis zu 97 Prozent.

Schutz bieten auch individuell gestaltete Scheiben, beispielsweise Zeichnungen mit Fenstermalkreide, die sich gut für Kindergärten und Schulgebäude eignen. Wichtig ist, dass sie großflächig aufgebracht werden, um den Vögeln keinen Durchschlupf zu suggerieren. Die Farben Rot, Orange, Schwarz und Weiß haben die beste Warn- und Kontrastwirkung bei Vögeln. Und egal ob Punkte, dichte Streifen oder bunte Blumenmuster: Damit der Schutz funktioniert, müssen Folie und Zeichnungen von außen auf das Glas aufgebracht werden. So werden Spiegelungen vermieden. Es gibt auch beschichtetes oder strukturiertes Vogelschutzglas, das bei Renovierungen oder einem Neubau zum Einsatz kommen kann. Für kleinere Flächen, etwa Balkonbegrenzungen, eignet sich Milchglas. Futterstellen und Nistkästen sollten nicht vor Fenstern aufgehängt werden, um die Vögel nicht in Richtung der Scheiben zu locken.

Was tun wenn ein Vopgel verletzt ist?

Und wenn doch ein Vogel am Boden liegt? Wer einen verletzten Vogel findet, sollte eine Wildtierhilfe um Rat bitten. Wir unterstützen die kostenlose App „Wildtier-SOS“ der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (https://wildtier-sos.de). Sie hilft bei der Ersteinschätzung und nennt Kontakte zu Tierärzten und Auffangstationen. Aber bestenfalls kommt es nicht dazu, wenn alle Glasflächen entsprechend gekennzeichnet sind.

Wird oft verwechselt: Die komplett schwarze Rabenkrähe (Corvus corone) halten viele im ersten Moment für einen Raben. Die Krähe ist aber deutlich kleiner und kommt viel häufiger vor.

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Über unser Projekt

Projekt Kinder werden Spatzenretter

Die Deutsche Wildtier Stiftung setzt sich mit dem Projekt „Der Spatz braucht Deine Hilfe!“ für den Schutz des Haussperlings ein. Mit der Janosch-Spatzenkiste werden der Spatz und seine Gefährdung zu einem Thema in der Naturbildungsarbeit mit Kindern.

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