Das Stiftungsgut als Freilandlabor
Bericht aus Klepelshagen: Wildtierforschungscamp mit Studierenden aus Wien
In welchen Gewässern fühlt sich die Rotbauchunke wohl? Wie ernährt sich der Fuchs? Welche Arten sind Nachmieter in Schwarzspechthöhlen? Wissen über Wildtiere kann man sich anlesen oder erlernen. So richtig greifbar wird es aber erst, wenn man es sich in der Natur erarbeitet. Diese Erfahrung machten im Mai Studierende der BOKU University Wien. Im Rahmen eines Wildtierforschungscamps untersuchten sie in Klepelshagen verschiedene Fragestellungen der Wildtierbiologie – und erlebten dabei alle Höhen und Tiefen der Freilandarbeit.
Jedes Frühjahr wird Gut Klepelshagen für ein paar Tage zum Freilandlabor für Studierende der BOKU University Wien. Diesen Mai kamen 13 Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler zum Wildtierforschungscamp in die Uckermark, um in kleinen Gruppen ihre Forschungsfragen zu bearbeiten. Sie untersuchten zum Beispiel Schwarzspechthöhlen als Unterschlupfe für Folgearten, das Vorkommen der seltenen Rotbauchunke in Kleingewässern oder die Bestände des Edelkrebses auf unseren Stiftungsflächen. Weitere Gruppen gewannen mit Fotofallen Erkenntnisse über die Ernährung von Füchsen oder fanden mit Haarfallen heraus, wo die Rotpelze leben und wie sie sich im Untersuchungsgebiet verteilen. Sogar dem verborgen lebenden Siebenschläfer kam eine Projektgruppe auf die Spur.
Forschung unter verschärften Bedingungen
An der Wiener Universität hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Forschungscamps im Rahmen ihres Masterstudiums Wildtierökologie und Wildtiermanagement bereits wichtige Vorarbeit geleistet. Sie hatten die Lebensweise ihrer Tierart intensiv studiert, wissenschaftliche Fragestellungen entwickelt und ein Studiendesign erarbeitet – also geplant, wie sie unter Freilandbedingungen in wenigen Tagen verwertbare Daten gewinnen.
Nach einer langen Anreise mit dem Auto – das bis unters Dach vollgepackt war mit Forschungsausrüstung – erreichten die Studierenden spätabends Klepelshagen. Am nächsten Tag begann die Datenerhebung im Freiland. Es galt, sich mit GPS-Geräten und Karten schnell im bis dahin für die Gruppen unbekannten Gelände zurechtzufinden, geeignete Untersuchungsflächen auszuwählen und technische Hilfsmittel aufzubauen. Dabei stellte das Wetter die Forschungsgruppen vor unerwartete Probleme: Ausgerechnet an den ersten zwei Tagen regnete es nahezu ununterbrochen. Geräte mussten mit improvisierter Ausrüstung geschützt werden, Wege verwandelten sich in Schlammflächen, und manche Gebiete waren nur schwer zugänglich. Doch bei nur zehn Tagen Zeit für die Datenerhebung war das Warten auf besseres Wetter keine Option.
Mit Begeisterung, Neugier und Humor
Trotz der widrigen Bedingungen gewannen die Studierenden wichtige Daten zur Artenvielfalt auf Gut Klepelshagen. In den nächsten Monaten werden sie das Material auswerten und mit ihren Ergebnissen einen Beitrag zur Naturschutzarbeit auf unseren Stiftungsflächen leisten.
Doch das Wildtierforschungscamp brachte nicht nur wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern auch eine wertvolle Erfahrung: Wer als Forscherin oder Forscher unter anspruchsvollen Bedingungen im Freiland bestehen will, braucht mehr als Fachwissen. Die Studierenden waren mit Begeisterung bei der Sache und bewiesen Weitblick, Eigenverantwortung, Ausdauer und Neugier – und immer wieder eine gute Portion Humor, die oft den entscheidenden Unterschied macht.