Eiswinter setzt Wildtieren zu
Rücksichtnahme und Futter helfen
Der Winter zeigt sich derzeit von seiner harten Seite: Schnee und Eis bedecken die Böden, in manchen Regionen kommt starker Wind dazu. Für viele Wildtiere bedeutet das eine ernste Gefahr. Gefrorene Böden und Gewässer erschweren die Nahrungssuche, die größeren Anstrengungen sowie die niedrigen Temperaturen rauben den Tieren wertvolle Energiereserven. Menschen sollten daher möglichst viel Rücksicht nehmen und Wildtiere nicht zusätzlich in kräftezehrenden Stress versetzen.
Eichhörnchen beispielweise kommen derzeit oft nicht mehr an ihre im Herbst angelegten Vorräte. Viele ihrer Nahrungsdepots liegen unter einer harten Schneedecke oder im gefrorenen Erdreich. Die Tiere müssen länger suchen und größere Strecken zurücklegen – das kostet Energie, die sie brauchen, um den Winter zu überstehen.
Dort, wo der Schnee kurzzeitig antaut und dann wieder friert, bildet sich an der Oberfläche eine harte, scharfkantige Kruste. Dieser sogenannte Harschschnee ist vor allem für Wald- und Feldtiere wie Rehe gefährlich. Beim Scharren nach Gräsern können sie mit ihren dünnen Beinen durch scharfkantige Schneeschicht brechen und sich dadurch Schnitt- und Sehnenverletzungen zuziehen.
Auch Bergbewohner wie Gämsen kostet die Suche nach Gräsern und Flechten in Eis und Schnee viel Kraft. Um Energie zu sparen, versammeln sie sich an möglichst windgeschützten Hängen. Jede zusätzliche Störung, etwa durch Wintersportler abseits der Pisten, treibt den Energieverbrauch der Gämsen in die Höhe und macht sie anfällig für Krankheiten.
Feldhasen kommen an ihre Grenzen, sobald der Schnee nicht locker-flockig, sondern schwer und nass fällt. Dann bildet er keine schützende Isolierschicht um die Tiere, sondern durchnässt ihr Fell. Das ist vor allem für junge Hasen lebensgefährlich: Sie haben noch keine isolierende Unterwolle und kühlen durch Nässe, Wind und tiefe Temperaturen schnell aus.
Auch viele Vogelarten leiden unter den aktuellen Bedingungen. Singvögel finden in gefrorenen Böden kaum noch Insekten oder Samen. Für Enten und Schwäne werden offene Wasserflächen rar, die Nahrungssuche an Land wiederum ist gefährlich. Besonders kritisch ist die Lage für Zugvögel, die ihren Abflug in den Süden hinausgezögert haben oder unterwegs vom Wintereinbruch überrascht wurden. Für geschwächte Tiere bedeutet der anhaltende Frost oft den Tod.
Gerade in solchen Extremwintern können Menschen viel zum Schutz der Wildtiere beitragen. Wichtig ist vor allem, die Tiere nicht unnötig zu stören. Spaziergänger sollten auf den Wegen bleiben, Hunde anleinen und Rückzugsräume respektieren – besonders in Wäldern, an Waldrändern und in den Bergen. Wintersportler sollten ausgewiesene Routen nutzen und Wildruhezonen meiden. Wer einen Garten oder Balkon hat, kann Vögeln und Eichhörnchen mit geeignetem Futter und eisfreien Wasserstellen helfen.