Fünf Fakten über Eulen

Um die Geschöpfe der Nacht ranken sich Mythen und Legenden – was stimmt wirklich?

Waldohreule (Asio otus)

Lautlose Flüge, schaurige Rufe und beeindruckende Fähigkeiten – Eulen gelten als geheimnisvolle und unheimliche Wesen. Gerade jetzt zu Halloween hört man ihre nächtlichen Rufe. Wir verraten fünf faszinierende Eulen-Eigenschaften.

1.     Viele Eulenarten nähern sich ihrer Beute nahezu geräuschlos.

Möglich macht dies das besondere Gefieder vieler Eulenarten: Kammartige Strukturen an den Flügelvorderkanten, samtige Federoberflächen und weiche Federkanten reduzieren die Fluggeräusche auf ein Minimum. Dieser nahezu stumme Flug erlaubt es den Vögeln nicht nur, sich unbemerkt anzunähern, sondern auch das zarteste Rascheln ihrer Beutetiere wahrzunehmen. Auf dem Speiseplan von Eulen stehen vor allem Mäuse, aber auch Vögel und Insekten.

2.     Ihre Rufe dienen der Kommunikation unter Artgenossen.

Ab Ende Oktober und den ganzen November sind die Rufe der Waldkäuze besonders häufig zu hören. Damit markieren sie ihre Reviere und versuchen Partner anzulocken. Den typischen, langgezogenen Ruf, vorwiegend des männlichen Waldkauzes, mit seinem „Huu-hu-huhuhuhuu“ empfinden viele aus gruselig – passenderweise fällt der Höhepunkt in die Zeit um Halloween. Der „Ku-witt“-Ruf des weiblichen Waldkauzes ähnelt einem „Komm mit!“ und führte zu dem Aberglauben, er kündige einen nahenden Tod an. Auch mit Seuchen und Feuersbrünsten wurden Eulen in Verbindung gebracht und aufgrund dieses Aberglaubens lange verfolgt und getötet. Tatsächlich dienen die Rufe schlicht der Kommunikation unter Artgenossen.

3.     Eulen sind Kopf-Akrobaten.

Eulen können ihren Kopf um bis zu 270 Grad drehen. Der Grund dafür sind ihre Augen, die fest in den Augenhöhlen verankert und daher kaum beweglich sind. Eine äußerst bewegliche Halswirbelsäule und flexible Blutgefäße gleichen diese Einschränkung perfekt aus. Durch diese Kopf-Akrobatik können die Tiere Gefahren wie auch Beutetiere blitzschnell wahrnehmen. Dass Eulen ihren Kopf komplett um 360 Grad drehen können, gehört jedoch ins Reich der Mythen.

4.     Gewölle hinterlassen Spuren der Beute.

Kleinere Beutetiere wie Singvögel oder Feldmäuse werden von Eulen oft im Ganzen verschlungen. Unverdauliche Bestandteile wie Knochen, Schädel und Fell werden später als sogenannte Gewölle ausgewürgt. Für Wissenschaftler bieten sie wertvolle Einblicke in den Speiseplan der Eulen und die Artenvielfalt im jeweiligen Lebensraum.

5.     Nicht jede Eule ist eine Nachteule.

Die meisten der zehn heimischen Eulenarten sind nacht- oder dämmerungsaktiv, aber keineswegs alle. Die in Deutschland seltene Sumpfohreule beispielsweise ist nicht nur in der Dämmerung, sondern regelmäßig auch tagsüber auf der Jagd zu beobachten. Dabei sucht sie im niedrigen Flug offene Landschaften wie Feuchtwiesen und Moore nach Beute ab. Auch der Sperlingskauz, Deutschlands kleinste heimische Eule, ist im Tageslicht aktiv.

Vom Schreckgespenst zum Sorgenkind

Eulen im Artenschutz

Während Eulen früher häufig aus Aberglauben verfolgt wurden, sind die heutigen Bedrohungen menschengemacht: Lebensraumverlust, fehlende Bruthöhlen, Nahrungsmangel durch intensive Landwirtschaft, der Straßenverkehr und Störungen an Brutplätzen setzen den Tieren zu. In Deutschland brüten zehn Eulenarten, deren Bestände sich sehr unterschiedlich entwickeln. Während einige Arten bereits von Schutzmaßnahmen profitieren, sind andere weiterhin auf gezielte Unterstützung angewiesen.

Unsere heimischen Eulen

Übersicht Eulen

  • Uhu – Erfolgreiche Rückkehr

    Deutschlands größte Eule war durch intensive Verfolgung fast ausgerottet. Dank gesetzlichem Schutz und erfolgreicher Wiederansiedlungsprojekte haben sich die Bestände in vielen Regionen erholt – ein Paradebeispiel für gelungenen Artenschutz.

    Uhu (Bubo bubo)
  • Steinkauz – Auf Kulturlandschaften angewiesen

    Der Steinkauz benötigt neben Höhlenbäumen und alten Streuobstwiesen auch kurzrasige, extensiv genutzte Nahrungsflächen. Der Erhalt und die Pflege dieser Lebensräume sowie spezielle Nisthilfen sind entscheidend für sein Überleben.

    Steinkauz (Athene noctua)
  • Schleiereule – Typischer Gebäudebrüter

    Sie nutzt Nischen in Scheunen und Kirchtürmen als Nistplätze. Durch Gebäudesanierungen gehen diese Nischen verloren. Werden Zugänge erhalten und Nistkästen fachgerecht angebracht, hilft das der Art.

    Schleiereule (Tyto alba)
  • Habichtskauz – Hoffnungsvolle Wiederkehr

    Nachdem er vor langer Zeit aus Deutschland verschwunden war, zeigen Wiederansiedlungsprojekte (z. B. im Bayerischen Wald) erste Erfolge. Die Art benötigt alte, strukturreiche Wälder mit geeigneten Nistgelegenheiten.

    Habichtskauz (Strix uralensis)
  • Waldkauz – Anpassungsfähiger Waldbewohner

    Als häufige Eulenart Deutschlands besiedelt der Waldkauz Wälder, Parks und Gärten. Er brütet überwiegend in größeren Baumhöhlen und profitiert besonders vom Erhalt alter, höhlenreicher Baumbestände. Als vergleichsweise anpassungsfähige und derzeit nicht gefährdete Art ist er weniger auf gezielte Artenhilfsmaßnahmen angewiesen als viele andere Eulenarten.

    Waldkauz (Strix aluco)
  • Waldohreule – Zwischen Wald und Offenland

    Anders als ihr Name vermuten lässt, jagt die Waldohreule vor allem auf offenen Wiesen, Weiden und Feldern nach Mäusen. Zur Brut nutzt sie meist alte Krähen- oder Elsternester in Feldgehölzen, Baumgruppen und an Waldrändern. Besonders wichtig für ihren Schutz sind strukturreiche Offenlandschaften mit einem ausreichenden Kleinsäugerangebot und geeigneten Brutgehölzen.

    Waldohreule (Asio otus)
  • Raufußkauz – Spezialist alter Wälder

    Der Raufußkauz nutzt vor allem verlassene Schwarzspecht-Höhlen als Brutplätze und besiedelt bevorzugt strukturreiche Nadel- und Mischwälder. Der Erhalt von Spechthöhlen, geeigneten Waldbeständen und offenen Jagdflächen mit ausreichend Kleinsäugern ist für seinen Schutz besonders wichtig.

    Raufußkauz (Aegolius funereus)
  • Sperlingskauz – Klein, aber furchtlos

    Deutschlands kleinste Eule erbeutet neben Mäusen auch Kleinvögel und kann dabei sogar Beutetiere von nahezu eigener Körpergröße überwältigen. Der Sperlingskauz benötigt strukturreiche Nadel- und Mischwälder mit ausreichend Deckung, geeigneten Jagdflächen und kleinen Spechthöhlen. Eine naturnahe Waldbewirtschaftung trägt zum Erhalt seiner Lebensräume bei.

    Sperlingskauz (Glaucidium passerinum)
  • Sumpfohreule – Vom Aussterben bedrohte Bodenbrüterin

    Die Sumpfohreule gehört zu den seltensten Brutvögeln Deutschlands und brütet vor allem in offenen Mooren, Feuchtwiesen und Küstenlebensräumen direkt am Boden. Wiedervernässung, angepasste Grünlandbewirtschaftung und der Schutz vor Störungen und Gelegeverlusten sind entscheidend für ihren Erhalt.

    Sumpfohreule (Asio flammeus)
  • Zwergohreule – Wärmeliebender Neuling

    Die Zwergohreule ist ein noch seltener Brutvogel in Deutschland. Sie ernährt sich überwiegend von größeren Insekten. Der Erhalt alter Streuobstwiesen, höhlenreicher Bäume und insektenreicher, extensiv genutzter Landschaften kann ihre Ansiedlung begünstigen.

    Zwergohreule (Otus scops)
Waldkauz

Waldkauz

Der Waldkauz (Strix aluco) ist ein nahezu lautloser Jäger, immer auf der Suche nach seiner bevorzugten Beute – Mäusen.

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