Ein Kollege mit Bodenhaftung
Bericht aus Klepelshagen: Neuer Traktor hilft bei der Pflege unserer Schreiadler-Nahrungsflächen
Gut Klepelshagen hat seit Kurzem einen neuen Mitarbeiter. Der Italiener trägt den klangvollen Namen Antonio Carraro TTR 4800, ist feuerrot und hat erstaunlich gute Bodenhaftung. Seine Aufgabe: die Kienbruchwiese als wertvollen Feuchtlebensraum erhalten. Dafür ist er mit spezieller Bereifung, Zwillingsrädern und einem schonenden Balkenmähwerk bestens gerüstet. Angeschafft haben wir den Traktor im Rahmen des Verbundprojekts „Gemeinsam für den Schreiadler“. Denn für den stark gefährdeten Greifvogel ist die Kienbruchwiese ein wichtiges Nahrungsgebiet.
Damit sich die Kienbruchwiese weiter zu einem artenreichen Lebensraum entwickeln kann, braucht sie regelmäßige Pflege: Wird das Grün zu hoch, mähen wir die Fläche; konkurrenzstarke Pflanzen, die andere Arten verdrängen, entfernen wir. Die Bearbeitung soll bodenschonend und insektenfreundlich sein und möglichst wenig Spuren hinterlassen. Genau hier liegt die Stärke des neuen Traktors. Er ist für den Einsatz im Feuchtgrünland gebaut.
Flächenpflege mit Zugkraft und Feingefühl
Die spezielle Bereifung und die Zwillingsräder an der Hinterachse verteilen das Gewicht des Traktors gleichmäßig auf dem Boden. Das reduziert den Druck, verhindert unnötige Verdichtung und schont die empfindliche Fläche. Gleichzeitig verbessert sich dadurch die Zugkraft auf weichem Untergrund.
Das wichtigste Werkzeug des Traktors ist sein Balkenmähwerk. Statt mit schnell rotierenden Klingen arbeitet es mit einem Messerbalken, der sich wie eine große mechanische Schere seitwärts hin- und herbewegt und die Pflanzen in einer Höhe von 15 Zentimetern abschneidet. Das hat handfeste Vorteile für den Naturschutz. Anders als bei rotierenden Mähwerken werden Insekten und Amphibien nicht eingesaugt oder zerschlagen. Außerdem haben die Tiere eine deutlich höhere Chance zu fliehen, weil das Mähbild ruhiger ist.
Wiese im Wandel
Die regelmäßige Pflege mit dem neuen Traktor ist die Voraussetzung dafür, dass auf der 2,5 Hektar großen Kienbruchwiese wieder eine große Artenvielfalt entstehen kann. Durch die sogenannte Aushagerungsmahd drängen wir konkurrenzstarke, nährstoffliebende Pflanzen wie Brennnesseln oder Disteln zurück. So bekommen typische Feuchtwiesenpflanzen wieder eine Chance. Wo viele Pflanzenarten wachsen, finden mehr Insektenarten Nahrung. Und beides, Pflanzen- und Insektenvielfalt, ist Lebensgrundlage für viele andere Wildtiere.
Auch der Schreiadler findet auf der Kienbruchwiese seine Nahrung. Den vom Aussterben bedrohten Greifvogel schützen wir im Projekt „Gemeinsam für den Schreiadler“, das wir zusammen mit der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe und der Stiftung Umwelt und Naturschutz Mecklenburg-Vorpommern an mehreren Standorten im Nordosten Deutschlands umsetzen. Auf unserem Feuchtgrünland in Klepelshagen jagt der Schreiadler zu Fuß nach Mäusen, Amphibien und großen Insekten – aber nur wenn er eine niedrige, abwechslungsreiche Vegetation vorfindet. Um die zu erhalten, müssen wir die Fläche regelmäßig pflegen. Der feuerrote Traktor, den wir im Zuge des Artenschutzprojekts angeschafft haben, ist dabei eine große Hilfe.
Gemeinsam für den Schreiadler
Das Projekt „Gemeinsam für den Schreiadler“ wird im Rahmen des Nationalen Artenhilfsprogramms durch das Bundesamt für Naturschutz sowie das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert.