Schlammige Frühlingsboten
Bericht aus Klepelshagen: Kranich-Monitoring auf den Gutsflächen
Wenn Kraniche brüten, tragen sie eine besondere Tarnung: Sie bedecken ihren Rücken mit Schlamm und abgestorbenen Pflanzenresten, um sich ihrer Umgebung anzupassen. Unsere Ornithologen in Klepelshagen müssen deshalb ganz genau hinschauen, wenn sie für das jährliche Kranich-Monitoring auf unseren Stiftungsflächen unterwegs sind. Auf die Ergebnisse der Erfassung waren wir diesmal besonders gespannt: Hat sich der Ausbruch der Vogelgrippe im vergangenen Herbst auf den Bestand ausgewirkt?
Das Stiftungsgut Klepelshagen gilt als Schwerpunkt des Kranichvorkommens im östlichen Mecklenburg-Vorpommern. Auf unseren Flächen finden die Vögel besonders gute Lebensbedingungen: Äcker, Grünland und Wälder werden extensiv bewirtschaftet, und es gibt viele Feuchtgebiete, in denen sie brüten können. Die Kraniche kehren jedes Frühjahr in die ursprünglichen Sümpfe, Moore, Bruchwälder, Sölle und Feuchtwiesen zurück, um ihren Nachwuchs großzuziehen.
Kranichzählung mit Orni-Trick
Um die Entwicklung des Brutbestands in Klepelshagen verlässlich einschätzen zu können, führen wir seit 2004 ein langfristiges Monitoring mit jährlichen Kartierungen durch. So können wir Veränderungen an den Brutplätzen wie Wassermangel oder Störungen dokumentieren. Wenn wir Bestandsschwankungen feststellen, können wir Gegenmaßnahmen ergreifen und zum Beispiel Wiedervernässungen durchführen, um die Lebensbedingungen für die Kraniche zu verbessern.
Die Vögel an ihren Brutplätzen zu entdecken, ist gar nicht so einfach. Denn Kraniche bauen ihre Nester gut verborgen am Boden in der dichten Vegetation feuchter, sumpfiger Gebiete. Oft sind die Brutplätze von Wasser umgeben, bis zu 60 Zentimeter kann es tief sein. Manche Altvögel schwimmen sogar zu ihren Nestern. So schützen sie die Brut vor Fressfeinden wie Wildschwein und Rotfuchs.
Und auch die Ornithologen von Gut Klepelshagen haben es schwer, die Brutplätze im unwegsamen Gelände zu finden. Oft ist es unmöglich, ein Nest direkt zu lokalisieren. Stattdessen halten unsere Experten Ausschau nach dem typischen Verhalten brütender Kraniche: Die Vögel bedecken ihren Rücken regelmäßig mit Schlamm oder abgestorbenen Pflanzenteilen, um ihre Tarnung zu verbessern. Dadurch erscheint ihr Gefieder nicht grau wie sonst, sondern schmutzig braun.
Wirksame Schutzmaßnahmen
In Mecklenburg-Vorpommern wird der Kranichbestand aktuell auf etwa 5.000 Brutpaare geschätzt. Das sind ungefähr die Hälfte der in Deutschland brütenden Tiere. Die Zahlen waren nicht immer so erfreulich. Lange Zeit war der Kranich in Mecklenburg-Vorpommern ein seltener Brutvogel. Um ihn besser zu schützen, wurden gesetzlich festgelegte Horstschutzzonen eingerichtet: In einem Umkreis von 300 Metern um ein Nest im Wald und von 100 Metern in der Feldflur sind unter anderem land- und forstwirtschaftliche Arbeiten eingeschränkt. Seit den 1990er-Jahren nimmt der Brutbestand wieder zu, und mittlerweile gilt der Kranich in Mecklenburg-Vorpommern nicht mehr als gefährdet.
Neue Bedrohungen
Doch die Art steht vor neuen Herausforderungen. Die Vogelgrippe hat im vergangenen Herbst europaweit rund 40.000 Kraniche das Leben gekostet – etwa 10 Prozent der Tiere, die über Mitteleuropa ziehen. Auch Veränderungen der Lebensräume machen den Kranichen zu schaffen. Durch den Klimawandel wird in vielen Feuchtgebieten das Wasser knapp. So verlieren die Vögel immer mehr Brutplätze. Sie weichen in Gebiete aus, die ihnen schlechtere Lebensbedingungen bieten und in denen sie häufiger Beutegreifern wie dem Waschbären ausgesetzt sind. Die Bruterfolge sind deshalb in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Verluste von Jungvögeln können Kraniche nur schwer ausgleichen, da sie nur einmal pro Jahr brüten und dabei meist nur ein bis zwei Küken aufziehen.
Unter fürsorglicher Beobachtung
Auch in Klepelshagen sind die Wasserstände in den Feuchtgebieten inzwischen häufig zu niedrig, sodass viele über Jahre genutzte Brutplätze ausgetrocknet sind. Wir sorgen auch weiterhin dafür, dass Entwässerungen zurückgebaut werden, damit sich die Feuchtgebiete durch Niederschlag wieder füllen. Gleichzeitig beobachten wir im Rahmen unserer jährlichen Zählungen, wie sich unsere Maßnahmen und die zahlreichen anderen Einflussfaktoren auf Bestand und Bruterfolg auswirken. Mit dem Monitoring in diesem Frühjahr wollten wir vor allem herausfinden, ob sich der Ausbruch der Vogelgrippe auch im Klepelshagener Brutbestand bemerkbar macht. Tatsächlich haben wir nur 18 Brutpaare erfasst – ein Rückgang von 25 Prozent im Vergleich zum bislang konstanten Bestand von 24 Brutpaaren. Da noch keine Ergebnisse aus anderen Gebieten vorliegen, lässt sich derzeit nicht sagen, ob der Bestand überregional zurückgegangen ist.
In Klepelshagen besteht trotz der kurzfristig gesunkenen Zahl an Brutpaaren noch kein Anlass zur Sorge. Der Kranichbestand auf unseren Gutsflächen gilt langfristig als stabil. Wir werden die Entwicklung weiter beobachten – und wenn nötig unsere Schutzmaßnahmen für den Kranich verstärken.