Seltene Wintergäste mit seidigem Glanz

Bericht aus Klepelshagen: Die Seidenschwänze sind zu Besuch

Charakteristisch bei Seidenschwänzen ist die gut sichtbare Federhaube.

In Klepelshagen haben wir gerade ganz besonderen Besuch: Rund 80 Seidenschwänze sind auf unserem Stiftungsgut und in der Umgebung zu Gast. In kleinen, lebhaften Trupps ziehen sie durch Dörfer und Landschaft, immer auf der Suche nach beerentragenden Bäumen und Sträuchern. Ihr leises, klingelndes „Sirrr“ verrät sie oft schon aus der Ferne.

Der Seidenschwanz (Bombycilla garrulus) ist in Deutschland kein Brutvogel, sondern ein Wintergast aus den nördlichen Nadelwäldern Eurasiens. Seine Brutgebiete erstrecken sich von Skandinavien bis nach Kamtschatka im Osten Russlands. In Jahren mit hohem Bruterfolg und gleichzeitig knappem Nahrungsangebot gehen die Vögel auf Wanderschaft – manchmal in großer Zahl. Solche invasionsartigen Einflüge sind selten und eindrucksvoll. Die letzte große Invasion in Deutschland mit bundesweit Hunderttausenden Vögeln wurde im Winter von 2004 auf 2005 registriert.

Klepelshagen ist für die Seidenschwänze ein attraktives Ziel, weil es auf unseren Gutsflächen ein reiches Angebot an Früchten gibt. Besonders die üppigen Mistelbestände in den vielen, teils alten Pappeln locken die Vögel an. Die zuckerreichen Beeren der Mistel gehören zu ihrer bevorzugten Winterkost. Indem die Seidenschwänze die klebrigen Samen der Mistelbeeren an Zweigen abstreifen oder unverdaut wieder ausscheiden, tragen sie zur Verbreitung der Pflanze bei. So profitieren beide Arten voneinander.

Seinen Namen verdankt der Seidenschwanz seinem seidig schimmernden Gefieder. Besonders auffällig sind die roten Enden an den Armschwingen einiger Vögel. Wegen ihres Aussehens werden sie auch als Wachstropfen bezeichnet – daher der englische Name des Seidenschwanzes waxwing (deutsch: Wachsflügel). Früher nannte man ihn auch Pestvogel, weil sein plötzliches massenhaftes Auftreten als Unglückszeichen missverstanden wurde.

Solange die Beeren reichen, bleiben die Seidenschwänze in Klepelshagen. Mit dem beginnenden Frühling ziehen sie wieder zurück in ihre Brutgebiete. Ihr Besuch zeigt, wie eng selbst unscheinbare Landschaftselemente wie alte Pappeln und Mistelbäume in größere ökologische Zusammenhänge eingebunden sind.

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